
Neue Einreisebestimmungen Nach Großbritannien ab heute nur noch mit ETA
Reisende nach Großbritannien brauchen ab heute eine besondere Genehmigung, um ins Land gelassen zu werden: die sogenannte ETA. Sie kann online und per App gegen eine Gebühr beantragt werden.
Einfach mal Last-Minute einen Flug für einen Kurztrip nach London zu buchen, war bisher kein Problem. Aber ab heute wird das für Reisende aus einer ganze Reihe von Ländern nicht mehr möglich sein. Auch deutsche Staatsbürgerinnen und Staatsbürger müssen nunmehr eine elektronische Reisegenehmigung, kurz ETA, beantragen, bevor sie in den Flieger Richtung britische Insel steigen.
Und wer sich nicht rechtzeitig darum gekümmert hat, das Dokument für eine Reise ins Vereinigte Königreich ab dem 2. April zu beantragen, darf nicht mitfliegen, warnt Einwanderungs-Fachanwältin Elaine McIlroy von der Kanzlei Brodies:
"Die Fluggesellschaften, das Bahnpersonal beim Eurostar oder die Fährbetreiber werden beim Check-In prüfen, ob eine gültige ETA vorliegt. Denn wenn sie jemanden ohne ETA mitnehmen, müssen sie im Zweifel Strafe zahlen."
Dabei sei es wichtig zu beachten, dass die ETA nur zum Antritt der Reise ins Vereinigte Königreich die Erlaubnis erteilt. Die Erlaubnis zur Einreise ins Land erfolgt weiterhin an der Grenzkontrolle nach der Landung.
Dort muss der gültige Reisepass, der mit der ETA verknüpft ist, vorgelegt werden. Der Hintergrund für die Einführung der "Electronic Travel Authorisation" ist, dass die Briten ihren Grenzverkehr komplett digitalisieren und sicherer machen möchten.
Schon vorher entscheiden, wer draußen bleiben soll
Im Rahmen der ETA-Anträge werden Sicherheitsüberprüfungen bei Reisenden schon im Vorfeld vorgenommen, um missbräuchliche Einreise zu verhindern. Illegale Einreisen sollen erschwert werden und Personen, die das Vereinigte Königreich als Bedrohung sieht, sollen gar nicht erst auf die Insel gelangen, sondern schon vor Reiseantritt abgewiesen werden.
Gleichzeitig wird versprochen, dass es die ETA die Einreise für Touristen erleichtert und es bei der Passkontrolle damit schneller gehen soll.
Großbritannien hat das Verfahren schon 2023 für Einreisende aus bestimmten arabischen Staaten eingeführt. Seit Anfang dieses Jahres gilt es für alle, die kein Visum haben und aus Nicht-EU-Staaten einreisen wollen.
Wie man die ETA bekommt
Anwältin Elaine McIlroy, die mit ihren Webinaren vor allem Unternehmen erreicht, hält es für wichtig, möglichst breit darüber zu informieren, dass man eine ETA rechtzeitig beantragen muss, denn für viele komme das überraschend.
Im Netz findet man Videos, in denen das britische Innenministerium erklärt, wie man eine ETA beantragt. Das geht online oder über die ETA-App, die man kostenlos runterladen kann.
Die ETA wird in der Regel innerhalb von drei Werktagen ausgestellt, kostet zehn britische Pfund, umgerechnet etwa zwölf Euro, wird aber schon ab dem 9. April teurer und kostet dann rund 19 Euro. Sie gilt zwei Jahre und erlaubt mehrfache Reisen ins Vereinigte Königreich, man darf aber nicht länger als insgesamt sechs Monate bleiben.
Nicht nur Touristen, sondern auch Geschäftsleute oder Kurzzeitstudierende benötigen eine ETA. Transitreisende, die auf der britischen Insel nur umsteigen, brauchen dagegen zunächst keine ETA. Nach Protesten der Airlines hat die Regierung Transitreisende von der ETA-Pflicht vorerst ausgenommen.
Die EU arbeitet an einer ähnlichen Vorgabe
In der App lädt man ein Foto des Reisepasses hoch sowie ein aktuelles Selfie des Antragstellers. Man muss auch ein paar persönliche Fragen beantworten - ob man vorbestraft ist, einer kriminellen Vereinigung angehört oder in der Vergangenheit schon mal gegen britische Einreisebestimmungen verstoßen hat.
Ähnliche Verfahren wie ETA kennen Reisende aus EU-Staaten schon, wenn sie nach Australien, in die USA oder nach Kanada reisen.
Außerdem ist die ETA-Einführung keine einseitige Maßnahme der Briten gegenüber der EU. Sondern die Europäische Union ist dabei, etwas Ähnliches an den Start zu bringen, genannt EES - Entry/Exit System.
Die Einführung von EES wurde immer wieder verschoben, soll jetzt aber doch noch in diesem Jahr erfolgen. Und dann müssen alle Nicht-EU-Bürger, einschließlich der Briten, EES-Dokumente beantragen, wenn sie in die EU, etwa nach Deutschland, reisen wollen.
In einer früheren Version dieses Beitrags hieß es, bei der Beantragung der ETA müsse man auch angeben, weshalb man reise und wo man wohnen werde. Tatsächlich werden diese Informationen nicht abgefragt. Wir haben den Beitrag entsprechend angepasst.
Mehr zum Hintergrund dieser und anderer Korrekturen finden Sie hier: tagesschau.de/korrekturen