Ein Zug mit sieben Castor-Behältern kommt am Zwischenlager in Niederaichbach, Bayern an.

Castor-Transport nach Bayern Atommüll-Behälter erreichen Zwischenlager - und nun?

Stand: 04.04.2025 09:06 Uhr

20 Stunden lang war der Zug mit hochradioaktiven Müll quer durch Deutschland unterwegs. Jetzt werden die Behälter ins Zwischenlager an der Isar verräumt. Das zentrale Problem bleibt: Wohin mit dem Abfall nach der Zwischenlösung?

Der Castor-Transport mit radioaktivem Atomabfall ist am Donnerstagabend im Zwischenlager Isar in Niederaichbach angekommen. Nach seinem Start im niedersächsischen Nordenham brachte der Zug in 20 Stunden mehr als 900 Kilometer hinter sich - und konnte sein Ziel ohne Zwischenfälle erreichen.

Der Atommüll in den sieben Castor-Behältern kam aus Großbritannien - ist aber ursprünglich Abfall aus deutschen Atomkraftwerken. Sie wurden in England aufgearbeitet. Die Bundesrepublik ist zur Rücknahme der Abfälle völkerrechtlich verpflichtet. In der Aufarbeitungsanlage Sellafield stehen nun noch sieben Behälter mit deutschem Atommüll, sie sollen in Brokdorf in Schleswig-Holstein zwischengelagert werden.

Atomausstieg verkleinerte Protestbewegung

In der Zeit der Anti-Atom-Bewegung waren Castor-Transporte ein heikles Unterfangen, das Großeinsätze der Polizei erforderlich machte: Massenproteste und Störungen entlang der Strecke ließen meist nur Schritttempo zu.

Das änderte sich mit dem deutschen Atomausstieg. Die Fahrt sei störungsfrei verlaufen, teilten auch die Sprecher der Gesellschaft für Nuklear-Service (GNS) und der Polizei mit. Entlang der Strecke veranstalteten Atomkraft-Gegner Kundgebungen und Mahnwachen, zumeist in kleinen Gruppen. Im Vergleich zu früheren Jahren war das eher ein stiller Protest.

Protest richtet sich nicht gegen Rücknahme

Die kleinen Protestgruppen betonten: Ihre Kundgebungen richteten sich nicht gegen die Rücknahme des Atommülls. Vielmehr seien die Proteste - früher wie heute - "Ausdruck der Ablehnung der Atomkraft als solcher", sagte Helge Bauer, Sprecher des Vereins ".ausgestrahlt". Nach dem deutschen Atomausstieg sei die ehemals große Bewegung aber kleiner geworden.

Der bayrische Landesbeauftragte des BUND Naturschutz, Martin Geilhufe, warnte dennoch: Einige Politiker, vor allem Ministerpräsident Markus Söder, würden versuchen, "die Atomkraft wieder salonfähig zu machen".

Polizeiaufgebot am Zielbahnhof

Ein großes Polizeiaufgebot gab es am Zielbahnhof Wörth an der Isar trotzdem: Schaulustige begleiteten auf den letzten Kilometern die Ankunft des Transports. Mehrere Tausend Polizisten sorgten auf Wiesen und Feldern dafür, dass sich niemand dem Zug näherte. Auch die Reiterstaffel war im Einsatz.

Der Bahnhof war abgeriegelt, dort wurden die Personenwaggons abgekoppelt, in denen Polizeibeamte die Fahrt begleitet hatten.

Polizisten sichern einen Castor-Transport in Bayern.

Polizisten sicherten den Castor-Transport.

Was kommt nach dem Zwischenlager?

Die Anti-Atom-Bewegung schrumpfte zwar. Aber die zentrale Frage bleibe, so Geilhufe: "Wohin mit dem strahlenden Müll?" Die Verantwortung ende nicht mit dem Atomausstieg. Ein Endlager ist noch nicht gefunden, der Müll wird aktuell nur in Zwischenlager wie an der Isar gefahren. Ein Greenpeace-Sprecher sprach von unnötigem Herumfahren von Atommüll, jede Fahrt sei gefährlich.

Zwischenlager länger in Betrieb als geplant

Die Landtags-Grünen, ÖDP, der Bund Naturschutz und weitere Gruppen kritisierten die Unterbringung der Behälter in Zwischenlagern insbesondere deshalb, weil die wegen der Endlagersuche länger betrieben werden müssten als geplant.

Die Grünen forderten die bayerische Staatsregierung auf, sich mit allen Mitteln für mehr Sicherheit für die Castorhallen einzusetzen und die Endlagersuche voranzutreiben. "Denn die Zwischenlager, die ursprünglich für nur 40 Jahre geplant und genehmigt wurden, werden wohl mindestens 80 bis 100 Jahre oder noch länger gebraucht werden", sagte der energiepolitische Sprecher Martin Stümpfig.

Dieses Thema im Programm: Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. April 2025 um 08:00 Uhr.