Oleksii Makeiev
Porträt

Neuer Botschafter der Ukraine Ruhiger und diplomatischer

Stand: 24.10.2022 14:55 Uhr

Der neue ukrainische Botschafter Oleksii Makeiev tritt anders auf als sein oft provokanter Vorgänger Melnyk. Doch auch er wird auf mehr Unterstützung und mehr Waffen drängen.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Kiew

"Guten Tag, Deutschland - ich bin Oleksii Makeiev, designierter Botschafter der Ukraine in Berlin." Mit einem Selfie-Video auf Twitter hat sich der neue ukrainische Botschafter, Oleksii Makeiev, bei seiner Ankunft in Deutschland vor rund einer Woche der Öffentlichkeit vorgestellt.

Spezialist für internationale Beziehungen

Am frühen Nachmittag überreichte der 46-jährige Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sein Beglaubigungsschreiben und das Abberufungsschreiben seines Vorgängers Andrij Melnyk, der nach fast acht Jahren als Botschafter in Berlin in die Ukraine zurückgekehrt ist.

Makeiev gilt als Spezialist für internationale Beziehungen. Bereits mit 21 Jahren trat der 1975 in Kiew geborene Politologe in den diplomatischen Dienst ein, mit Stationen in den Auslandsvertretungen seines Landes in der Schweiz und Deutschland.

Dank für Flüchtlingshilfe

Er spricht wie sein Vorgänger Melnyk fließend Deutsch und dankte Deutschland für die Aufnahme von so vielen Flüchtlingen: "Danke Deutschland, dass Sie alles gemacht haben, dass sich ukrainische Flüchtlinge sicher fühlen können."

Das war noch vor dem Brandanschlag auf eine Unterkunft des Roten Kreuzes in Mecklenburg-Vorpommern für ukrainische Frauen und Kinder, die vor dem Krieg in ihrem Land nach Deutschland geflohen waren.

"Sanktionen sind letztes friedliches Mittel"

2014 wurde Makeiev politischer Direktor des Außenministeriums der Ukraine, 2020 Sonderbeauftragter für Sanktionspolitik. Er bemühte sich bei den westlichen Staaten darum, mit Sanktionen gegen Russland die Ukraine bei der Verteidigung ihres Landes zu unterstützen.

Die Sanktionen seien wichtig, denn sie träfen Russland mehr als die Kremlführung zugeben wolle, sagte Makeiev in einem Gespräch im französischen Institut für internationale Beziehungen, das im Internet veröffentlicht wurde. "Sanktionen sind das letzte friedliche Mittel, das zur Verfügung steht. Die Ukrainer kämpfen gegen die militärische Aggression Russlands, und die Europäer unterstützen uns mit den Sanktionen," so Makeiev. "Und sie sind ein friedliches Mittel - das letzte."

Betonung des Gemeinsamen

Anders als sein Vorgänger Melnyk, der zuletzt wegen seiner oft provokativen Äußerungen umstritten war, tritt Makeiev ruhiger und diplomatischer auf. Doch ebenso wie sein Vorgänger wird sich der neue Botschafter der Ukraine für mehr Unterstützung durch Deutschland und weitere Waffenlieferungen einsetzen.

"Die Ukrainer kämpfen in den Schützengräben, und sie verteidigen nicht nur ihr Land, sondern auch die europäische Sicherheitsarchitektur," so der Diplomat. Diplomatie sei wichtig, aber: "Wenn man Russland mit klassischer Diplomatie begegnet und Würde und Respekt erwartet, wird man schnell merken, dass man es nur mit Verbrechern zu tun hat, die ihre Gesprächspartner unter Druck setzen, erniedrigen und betrügen."

Doch gemeinsam mit Deutschland, so Makeiev in seinem Twitter-Selfie-Video, werde es gelingen, ein friedliches Europa zu verteidigen: "Ich werde mich dafür einsetzen, dass wir, Ukrainer und Deutsche, Europa zu einem sicheren Ort machen."

Dieses Thema im Programm: Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. Oktober 2022 um 08:26 Uhr.