
Niedersachsen Jäger warnen: Vorsicht in der Paarungszeit der Wölfe
Von Februar bis Anfang März sind Wölfe in der Paarungszeit. Die sogenannte "Ranzzeit" erfordere besondere Vorsicht im Wald, warnt die Jägerschaft des Landkreises Harburg.
Vor allem die Fähen, also die weiblichen Wölfe, seien in dieser Zeit häufiger aggressiv, sagt Jäger Bernard Wegner. So könnten Hunde beispielsweise als Rivalen wahrgenommen und attackiert werden. Für die Hunde könne das lebensgefährlich sein. Daher sollten Hundehalter ihre Tiere in Wolfsgebieten an die Leine nehmen, so Wegner.
Jägerschaft informiert an Schulen über den Wolf
Viele Menschen und besonders Kinder wüssten nicht, wie sie sich bei einer Wolfsbegegnung richtig verhalten, berichtet der Jäger. Die Jägerschaft im Landkreises Harburg hat deshalb das Natur- und Umweltbildungsprogramm "Der Wolf in der Nachbarschaft" gestartet. Mit dem Wolfsmobil fährt Wegner, der auch Wolfsberater ist, zu Kindergärten und Schulen, um mit den Kindern über den Wolf zu sprechen. Von der Nachfrage ist er selbst überrascht: An mehr als 100 Tagen ist er mit dem Wolfsmobil im vergangenen Jahr unterwegs gewesen. "Uns ist es wichtig, dass die Kinder den Wolf als Wildtier kennenlernen", sagt Wegner. Wegen der hohen Wolfsdichte, die wir mittlerweile in Niedersachsen hätten, sei es für Kinder wichtig zu lernen, wie sie sich bei Nahbegegnungen verhalten müssen.

Mit seinem Wolfsmobl ist der Jäger Bernard Wegner unterwegs und klärt über Wölfe auf.
Wolfspopulation in Niedersachsen wächst
Das letzte Wolfsmonitoring, bei dem Daten über wildlebende Wölfe gesammelt und ausgewertet wurden, erfasste Ende 2024 landesweit 56 Wolfsrudel - sechs mehr als ein Jahr zuvor. Zusammen mit zuletzt vier Wolfspaaren und drei Einzelwölfen ergeben sich insgesamt 63 Territorien. Rund 700 Wölfe seien inzwischen in Niedersachsen heimisch, sagt Wegner. Und die Population wachse stetig.
2024 | 2023 | |
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Meldungen insgesamt | 2.315 | 2.253 |
Territorien | 63 | 56 |
Rudel | 56 | 50 |
Übergriffe auf Nutztiere | 92 | 77 |
Territorium von Wölfen ist groß
Der Radius eines Wolfsrudels sei groß: Es beanspruche ein Gebiet von 150 bis 350 Quadratkilometern, so Wegner. "Die Wölfe fressen die Reviere nicht leer, aber sie verbrämen das Wild merklich". Das Wild würde in einigen Wäldern inzwischen "heimlich", sagt der Jäger. Das bedeutet: Es versteckt sich tagsüber. Der Kot der Tiere, die Wolfslosung, werde manchmal auch von Waldbesuchern erkannt und gemeldet, berichtet der Jäger. Die Wolfslosung enthalte oft Haare oder auch Huf von Rehwild und sei so eindeutig erkennbar. Proben würden über die Jägerschaft nach Hannover geschickt und in Laboren ausgewertet. Der DNA-Nachweis sei nötig, sagt Wegner, um die Population in Wolfsgebieten zu bestimmen. Sechs bis neun Monate dauere es, bis das Ergebnis vorliege.
Jungtiere verhalten sich wie Teenager
Während erwachsene Wölfe den Menschen meiden, verhalten sich vor allem Jungtiere manchmal anders: "Was wir auch den Kindern immer wieder beibringen, ist, dass vor allem Jungwölfe sehr neugierig sind. Das muss man sich vorstellen wie einen 14-jährigen Teenager, der zu Hause rausgeworfen wurde: Der ist einsam, der hat Hunger und Heimweh und der kommt manchmal doch recht nahe", so Wegner. Wenn im April und Mai die Wolfswelpen zur Welt kommen, blieben die Wölfe zunächst sehr lokal an den Wurfhöhlen. Schon im Herbst seien die Jungtiere rein optisch von erwachsenen Wölfen kaum noch zu unterscheiden.
Dieses Thema im Programm:
NDR Fernsehen | Hallo Niedersachsen | 07.03.2025 | 19:30 Uhr