Nader und sein Chef Philipp Frensch stehen vor einem der Firmenwagen von ZEBO Fußbodenbau. Die beiden sorgen sich darum, dass Nader in seine Heimat Syrien abgeschoben werden könnte.

Rheinland-Pfalz Angst vor Abschiebung nach Syrien: Nader will im Westerwald bleiben

Stand: 24.03.2025 11:56 Uhr

Als Jugendlicher kam Nader nach Deutschland. Heute arbeitet er als Estrichleger bei der Firma zebo in Herschbach. Er und sein Chef sorgen sich, dass er nach Syrien abgeschoben werden könnte.

Im Sommer 2015 kam Nader als Flüchtling mit seiner Familie nach Deutschland. Damals war er erst 13 Jahre alt. Er kannte niemanden, sprach kein Deutsch und vermisste sein Zuhause in Syrien, erzählt der heute 23-Jährige: "Am Anfang war das ganz schwierig, weil hier in dem Land noch alles neu für mich war."

Heute - zehn Jahre später - ist Nader komplett in seinem neuen Zuhause im Westerwald angekommen. "Ich habe eine gute Arbeitsstelle. Ich habe ein gutes Leben. Ich fühle mich jetzt sehr gut." Nader arbeitet als Estrichleger bei zebo Fußbodenbau in Herschbach. Dort hat er auch schon seine Lehre gemacht. Geschäftsführer Philipp Frensch erinnert sich noch gut an den Tag, als er Nader kennengelernt hat.

Fachkräftemangel macht dem Handwerk seit Jahren zu schaffen

Das ist jetzt schon sechs Jahre her, sagt Naders Chef: "Ein junger, dynamischer Kerl aus Syrien kommt hier einfach die Tür rein und hat gefragt, ob er hier eine Ausbildung machen kann." Für Philipp Frensch war das ein großes Glück, denn sein Unternehmen hat schon seit Jahren Schwierigkeiten, Auszubildende zu finden.

"Das Estrichleger-Handwerk ist jetzt nicht unbedingt das Attraktivste", erklärt er. Deswegen sei der Fachkräftemangel auch in seiner Branche riesig. zebo Fußbodenbau ist ein familiengeführtes Unternehmen mit 30 Mitarbeitern. Nader habe sich dort schnell gut integriert und er habe sogar noch zwei Freunde angeworben, die mittlerweile auch dort arbeiteten. Auch sie seien Syrer.

Forderung nach schneller Rückkehr macht Syrern Angst

Aber ob Nader und seine Freunde dauerhaft bleiben dürfen, ist unsicher. Erst recht, seitdem Ende des vergangenen Jahres das Assad-Regime in Syrien gestürzt wurde. Dass sofort in der deutschen Politik Forderungen nach einer schnellen Rückkehr der syrischen Flüchtlinge laut wurden, hat viele Syrer verunsichert, erzählt Nader.

Das ist nicht so einfach, jetzt auf einmal direkt nach Syrien zurückzugehen. Nader, syrischer Flüchtling im Westerwald

Es gebe viele Familien wie seine, die schon lange in Deutschland seien. Auch sie hätten die deutsche Sprache gelernt, sich integriert und gingen hier arbeiten. Das alles einfach so aufgeben? Für Nader undenkbar: "Das ist nicht so einfach, jetzt auf einmal direkt nach Syrien zurückzugehen." Auch, weil es dort noch immer nicht sicher sei. Zuletzt gab es Berichte über Massaker an der Volksgruppe der Alawiten.

Unternehmer will seine syrischen Mitarbeiter halten

Auch Philipp Frensch hat wenig Verständnis für die übereilte Forderung, die Syrer abzuschieben. Auch aus unternehmerischer Sicht: "Ich fände es bescheiden, wenn man jetzt so Jungs wie Nader ausweisen und abschieben würde. Dann hätte ich viele Mitarbeiter weniger, die nicht zu ersetzen sind."

Die Leute sollen sich hier weiterhin in Zukunft sicher fühlen dürfen. Philipp Frensch, Geschäftsführer von zebo Fußbodenbau

Er wünscht sich daher ein klares Bekenntnis von der Politik, dass seinem Unternehmen und seinen syrischen Mitarbeitern Sicherheit gibt. Wer sich hier etwas aufgebaut und einen festen Arbeitsplatz habe, solle hier bleiben dürfen, findet Frensch: "Die Leute sollen sich hier weiterhin in Zukunft sicher fühlen dürfen."

Nader wünscht sich eine sichere Zukunft in Deutschland

Für Nader ist die Unsicherheit besonders schlimm: "Seit zwei Monaten habe ich viele Gedanken im Kopf: Wie sieht es aus? Können wir hier bleiben oder nicht?" Er hat bereits seine Meisterausbildung angefangen und die deutsche Staatsbürgerschaft beantragt. Er wünscht sich eine Zukunft in Deutschland. Zurück nach Syrien gehen will er irgendwann auch mal, aber nur als "Urlaub in meiner Heimat".

Sendung am Sa., 22.3.2025 6:57 Uhr, SWR4 Rheinland-Pfalz

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