Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD) beim Trauerstaatsakt für den verstorbenen früheren MInisterpräsidenten des Landes, Bernhard Vogel (CDU).

Rheinland-Pfalz Früherer RLP-Ministerpräsident Bernhard Vogel mit Staatsakt geehrt

Stand: 26.03.2025 16:06 Uhr

Der frühere Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz und Thüringen, Bernhard Vogel, ist am 2. März gestorben. In einem Trauerstaatsakt nahmen politische Weggefährten am Mittwoch Abschied.

Die Gedenkfeier wurde in der Mainzer Staatskanzlei mit einem geistlichen Konzert eröffnet. Die "Villa Musica" spielte das "Agnus Dei" aus der Krönungsmesse von Wolfgang Amadeus Mozart. Eine Solistin sang dazu. Vogel hatte die Stiftung Villa Musica 1986 ins Leben gerufen.

Trauerstaatsakt für verstorbenen Ministerpräsidenten Bernhard Vogel

Schweitzer und Voigt würdigen Vogel als Brückenbauer

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD) würdigte Vogels Verdienste um Rheinland-Pfalz und Thüringen. Er hob unter anderem sein Engagement für die Partnerschaft mit Ruanda, seine Reform des Bildungsystems in Rheinland-Pfalz und seine wirtschaftspolitischen Entscheidungen hervor. So gibt es bis heute die Rheinland-Pfalz-Ausstellung in Mainz.

Schweitzer wies auch auf den christlichen Kompass des gläubigen Katholiken hin. Auf Vogels Initiative seien die Bekenntnisschulen abgeschafft worden, in denen evangelische und katholische Kinder noch in der Nachkriegszeit strikt getrennt voneinander unterrichtet wurden.

"Wir nehmen Abschied von einem Menschen mit großer Herzensfreundlichkeit, einem herausragenden Staatsmann von enormer Integrität, einem Politiker, der Brücken baute zwischen Ost und West, zwischen Jung und Alt und zwischen verschiedenen politischen Positionen", sagte Schweitzer.

Auch Mario Voigt (CDU), der aktuelle Ministerpräsident Thüringens, stellte Vogels christlichen Glauben heraus. Das habe ihn die Grenzen des Staates erkennen lassen, ohne die politische Verantwortung zu leugnen, so Voigt. In Thüringen habe er die deutsche Einheit begleitet. In elf Jahren habe er geholfen, die rechtsstaatliche Ordnung wiederherzustellen sowie die Wirtschaft und Kultur des Landes wieder aufzubauen.

Voigt würdigte Vogel als Politiker, der an der Lösung von Problemen statt an Selbstinszenierung interessiert gewesen sei. "Er suchte keine Schlagzeile, sondern Ziele.“ Voigt erinnerte an schwere Momente während Vogels Thüringer Amtszeit wie den Amoklauf am Erfurter Gutenberg-Gymnasium 2002. Der Ministerpräsident sei in den schlimmen Stunden danach, selbst mit den Tränen ringend, mitten unter den Trauernden gewesen.

"Mit Dr. Bernhard Vogel ist ein Urgestein der bundesdeutschen und in besonderem Maße der Thüringer Politik von uns gegangen. Er hat in vielen verschiedenen Funktionen die Geschicke der Bundesrepublik, seines Heimatlandes Rheinland-Pfalz und seiner Wahlheimat Thüringen geprägt. Bernhard Vogel war ein Jahrhundertpolitiker und wegweisend für Thüringen", so Voigt. Bernhard Vogel habe gezeigt, dass Politik nicht spaltet sondern verbindet. "Danke Bernhard Vogel, Ruhe in Frieden", sagte Voigt zum Abschluss seiner Rede.

Baldauf mit sehr persönlichem Gedenken

Mit dem rheinland-pfälzischen Landtagsabgeordneten Christian Baldauf und dem früheren thüringischen Ministerpräsidenten Dieter Althaus (beide CDU) sprachen zwei weitere Weggefährten des Verstorbenen. Baldauf, der eng mit Vogel befreundet war, betonte, dass er sich immer auf dessen Ratschläge habe verlassen können: "Wer behauptet, es gebe im politischen Geschäft keine Freunde, hat ganz bestimmt Bernhard Vogel nicht gekannt.“

Baldauf erinnerte in der Form eines letzten Gesprächs an Vogel, der ihn gebeten habe, als sein Freund zu sprechen. "Was auch immer Du tust, tu es klug und bedenke das Ende - das war Dein Satz, lieber Bernhard", sagte Baldauf. In seinem letzten Gespräch mit Vogel am 11. Februar habe sich dieser Sorgen um die politische Lage in den USA, Europa und in Deutschland gemacht. 

Der frühere thüringische Ministerpräsident Dieter Althaus nannte Vogel einen echten Landesvater. Authentisch und klug sei er gewesen und er habe zugehört. Für die deutsche Einheit sei er ein Segen gewesen.

Viele Trauergäste in der Staatskanzlei

Unter den rund 150 geladenen Gästen beim Trauerstaatsakt waren auch Vogels rheinland-pfälzische Amtsnachfolger Malu Dreyer, Kurt Beck und Rudolf Scharping (alle SPD) sowie mehrere Politiker aus beiden Bundesländern. Aus Vogels Wahlheimat Speyer waren unter anderem Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD) und Bischof Karl-Heinz Wiesemann gekommen. Für die geschäftsführende Bundesregierung war Verkehrs- und Justizminister Volker Wissing (parteilos) geladen, für die Konrad-Adenauer-Stiftung der Vorsitzende Norbert Lammert. 

Tod im Alter von 92 Jahren

Bernhard Vogel war am 2. März im Alter von 92 Jahren in Speyer gestorben. Der CDU-Politiker war von 1976 bis 1988 Ministerpräsident in Rheinland-Pfalz, von 1992 bis 2003 Ministerpräsident in Thüringen. Er war damit der einzige deutsche Politiker, der Ministerpräsident in gleich zwei Bundesländern war. Mit seinem Bruder, dem ehemaligen SPD-Chef Hans-Jochen Vogel, prägte er Jahrzehnte der Politik in Deutschland.

Früherer RLP-Ministerpräsident Bernhard Vogel gestorben

Bernhard Vogel - Stationen eines Lebens
- Geboren am 19. Dezember 1932 in Göttingen
- Besucht die Schule in Gießen und macht nach dem Umzug der Familie nach München dort sein Abitur
- Studiert Politikwissenschaft, Geschichte, Soziologie und Volkswirtschaft und promoviert 1960 in Heidelberg
- 1965: Wahl zum Bundestagsabgeordnten
- 1967: Ernennung zum Kultusminister von Rheinland-Pfalz
- 1974: Übernahme vom CDU-Landesvorsitz
- 1976: Wahl zum Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz
- 1988: Niederlage bei der Wahl zum CDU-Landesvorsitzenden, Rücktritt auch als Ministerpräsident
- 1992: Wahl zum Ministerpräsidenten von Thüringen
- 2003: Rücktritt aus Altersgründen

Gottesdienste in Speyer und Erfurt

Am 4. April findet am Abend im Erfurter Dom ein Requiem für Vogel statt. Am vergangenen Freitag hatte es bereits einen Trauergottesdienst im Speyerer Dom für Vogel gegeben. Vogel hat 50 Jahre lang in Rheinland-Pfalz gelebt und ist in Speyer gestorben. Er war gläubiger Katholik und dem Bistum Speyer sehr verbunden.

Beigesetzt wurde Bernhard Vogel auf dem Friedhof in München-Bogenhausen - im Grab seiner Eltern und seines Bruders. Die Beerdigung fand auf Vogels Wunsch hin im kleinsten Familienkreis statt.

Sendung am Mi., 26.3.2025 16:00 Uhr, SWR Aktuell Rheinland-Pfalz, SWR RP

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