Menschen stehen vor dem Berliner Club "Berghain" an. (Archivbild: 13.12.2024)

Techno-Clubs Wer darf rein und wer nicht?

Stand: 05.04.2025 13:23 Uhr

Um in die angesagten Techno-Clubs Berlins zu kommen, muss man nicht nur Zeit für der Warteschlange, sondern auch das gewisse Etwas mitbringen. Was das ist, hat ein internationales Forschungsteam entschlüsselt.

Von Lena Dreyer, RBB

Wenn man versucht, sich vor dem Partyabend hilfreiche Tipps abzugreifen, um eine reale Chance beispielsweise im Berghain, auch bekannt als "die härteste Tür Berlins", zu haben, schlagen unzählige Online-Ratgeber als Nummer eins vor: schwarze Kleidung.

Tatsächlich spielt bei der Entscheidung, wer in den Club darf und wer nicht, nicht nur der Style eine Rolle, sondern auch, wie sehr man sich einerseits an die Menge anpasst und gleichzeitig wiederum heraussticht, weiß Michael Kleinaltenkamp, Wirtschaftswissenschaftler und Dienstleistungsforscher an der Freien Universität Berlin. Zusammen mit Forschenden der University of Bath, dem King's College London und der Karlstad University hat er sich am Beispiel von angesagten Techno-Clubs in Berlin angeschaut, wie und weshalb die Selektion von Gästen an der Türschwelle eine wichtige Rolle spielt.

Film "Berlin Bouncer" brachte ihn auf die Idee

Zu untersuchen, welche Personen in einen Club hineingelassen werden und wer abgewiesen wird, klingt im ersten Moment ziemlich skurril und außergewöhnlich. Anlass für die Studie war der Film "Berlin Bouncer", der im Jahr 2019 auf der Berlinale lief.

Besonders ist Kleinaltenkamp dabei dieser Satz eines Bouncers, auch Türsteher genannt, hängengeblieben: "Ich male jeden Abend ein Bild, ich bin verantwortlich dafür." Konkret wird damit gemeint, dass die Selekteurinnen und Selekteure - so werden in der Szene diejenigen genannt, die entscheiden, welche Gäste eintreten dürfen und welche nicht - durch ihre Auswahl ein Kunstwerk in Form der "Crowd" schaffen, die an diesem Abend im Club ist.

Kleinaltenkamps Gedankengang dazu war: "Eigentlich wird ja die Kerndienstleistung, also die Atmosphäre, die die Clubs verkaufen, erst durch die Kunden selbst geschaffen."

Archivmaterial, Interviews und eine Live-Beobachtung

Um sich mit der Clubszene vertraut zu machen, haben sich die Forschenden zunächst einmal eine ganze Reihe an Pressematerial angeschaut. In einem nächsten Schritt wurden dann Interviews mit Selekteuren, Clubbesitzern, Veranstaltern, DJs, Sicherheitskräften und Gästen geführt.

Damit sich Kleinaltenkamp, Initiator der Studie, und sein Team wirklich ein umfangreiches Bild des Nachtlebens machen konnten, führten sie als Highlight auch eine Beobachtung durch. In der Studie schreiben sie dazu: "Die Autoren eins und zwei beschatteten einen Sektor in einem renommierten Musikclub in einer einzigen Nacht im Juli 2022 zwischen 22 und 7 Uhr."

Wissenschaftler Kleinaltenkamp fügt hinzu: "Leider war ich in der Nacht nicht selbst dabei. Meine Kollegen haben etwa 500 Auswahlentscheidungen beobachten können und das Verhalten der verschiedenen Akteure dann mit kurzen Sprachnotizen dokumentiert.“

Hohe Sozialkompetenz der Selekteure

Die Studie konnte zeigen: Das Klischee des muskelbepackten No-Brain-Türstehers trifft in dieser Szene in keiner Weise zu. "Uns war vorher nicht so bewusst, was für eine hohe soziale Kompetenz die Selekteure mitbringen müssen. Es war wirklich beeindruckend zu sehen, mit welcher Empathie, Menschenkenntnis und Zugewandtheit sie ihre Entscheidungen treffen.“

Wer in die Clubs kommt und wer nicht

Die Kernergebnisse der Studie arbeiten heraus, dass es im Wesentlichen drei Dinge gibt, die dazu führen, dass man in einen Club kommt oder eben nicht.

Zum einen muss man den Selekteuren signalisieren, dass man feiern will und kann. Kleinaltenkamp spricht hier von der sogenannten Readiness. Besonders kommt es hier darauf an, wie man insgesamt auftritt und wie man auf die Fragen der Selekteure reagiert. "Hier wird geschaut, ob jemand ready ist, um abzufeiern."

Zudem muss man von vornherein schon das notwendige Sozialkapital mitbringen in Bezug auf diese Subkultur. "Man muss zeigen, dass man dazugehört. Das äußert sich dann an der Kleidung, wie man auftritt, was man sagt und welche Wörter man benutzt", erklärt er.

Und auch, wenn man diese beiden Kriterien erfüllt, kommt man trotzdem noch nicht in den Club. "Ein entscheidender Punkt ist, dass man irgendetwas Besonderes hat. Die Mischung von verschiedenen Menschen, die da drinnen sind, ist wichtig. Wenn die alle gleich wären, wäre es ja langweilig", betont Kleinaltenkamp.

Manchmal kommt man rein, manchmal wiederum nicht

Dadurch, dass jeden Abend eine andere, neue und einzigartige Atmosphäre in den Clubs geschaffen werden soll, kann es vorkommen, dass man an einem Abend von den Selekteuren reingelassen wird und an einem anderen wiederum nicht. Neben dem Kleidungsstil, Auftreten und der Energie kommt es also immer wieder auch auf ein bisschen Glück an.

Dieses Thema im Programm: Über dieses Thema berichtete der RBB am 29.03.2025 um 11:10 Uhr auf Radio Eins.