Sudanesische Truppen laufen durch eine Straße in Khartum

Kampf gegen Rebellengruppe Sudans Militär verkündet Befreiung von Khartum

Stand: 27.03.2025 02:21 Uhr

Rund zwei Jahre nach Beginn des Bürgerkriegs im Sudan hat das Militär die Vertreibung der RSF-Miliz aus der Hauptstadt Khartum verkündet. Ein Ende des blutigen Konflikts ist dennoch nicht in Sicht.

Fast zwei Jahre nach Beginn des Bürgerkriegs im Sudan hat das Militär nach Regierungsangaben die Hauptstadt Khartum zurückerobert. "Khartum ist befreit", sagte Staatschef Abdel Fattah al-Burhan umringt von jubelnden Soldaten in einer aus dem Präsidentenpalast übertragenen Fernsehansprache. "Es ist vollbracht." Ein Armeevertreter sagte, die letzten Kämpfer der paramilitärischen Miliz "Rapid Support Forces" (RSF) in der Region von Khartum würden über den Weißen Nil fliehen.

Das Militär hatte im Januar eine Offensive zur Vertreibung der Miliz aus der Hauptstadt begonnen. Am vergangenen Freitag nahmen die Regierungstruppen den Präsidentenpalast ein, den die RSF seit Beginn des Bürgerkrieges im Sudan im April 2023 besetzt gehalten hatte. Am Samstag eroberte die Armee auch die Zentralbank, die Geheimdienstzentrale und das Nationalmuseum zurück. In der Folge konnte die sudanesische Armee nach eigenen Angaben auch den Flughafen der Hauptstadt zurückerobern. Die Truppen hätten den Flughafen im Osten der Stadt "vollständig abgesichert", sagte ein Militärvertreter der Nachrichtenagentur AFP.

Karte des Sudans mit Nord-Darfur und der Hauptstadt Khartum.

Augenzeugen und Aktivisten berichteten, die RSF-Kämpfer hätten sich in den vergangenen Tagen aus dem Zentrum Khartums in Richtung Süden zurückgezogen. Den Regierungstruppen gelang es zudem, beide Seiten einer wichtigen Brücke im Osten der Hauptstadt zu sichern. Damit bleibt der Miliz nur noch eine Brücke im Süden der Hauptstadt für den Rückzug in die von ihnen kontrollierten Gebiete in der westlichen Region Darfur.

Humanitäre Katastrophe

Die RSF unter der Führung des ehemaligen Vizepräsidenten Mohamed Hamdan Daglo hatte im April 2023 gegen Militärherrscher al-Burhan rebelliert. Die Miliz brachte große Gebiete, einschließlich des Zentrums der Hauptstadt, unter ihre Kontrolle. Al-Burhans Regierung zog sich in die Küstenstadt Port Sudan am Roten Meer zurück.

Der Machtkampf in dem Land mit zuvor rund 46 Millionen Einwohnern hat den Vereinten Nationen zufolge die weltweit größte humanitäre Katastrophe ausgelöst. Nach UN-Angaben sind 12,9 Millionen Menschen vertrieben worden, fast 25 Millionen leiden nach UN-Angaben unter akutem Hunger. Das ist etwa die Hälfte der Bevölkerung. Offizielle Opferzahlen gibt es nicht - Schätzungen gehen von 60.000 bis 150.000 Todesopfern sowohl durch direkte Gewalt als auch durch Hunger und Krankheiten infolge des Konflikts aus. Sowohl der Armee als auch der RSF-Miliz werden Kriegsverbrechen vorgeworfen.

Ein baldiges Ende des Bürgerkriegs in dem Land im Nordosten Afrikas ist nicht in Sicht. Die RSF-Miliz hält weiter bedeutende Gebiete im Westen des Landes und bemüht sich in den von ihr beherrschten Gebieten um den Aufbau einer Gegenregierung. Sie erhält nach Überzeugung von Experten und Diplomaten Unterstützung von den Vereinigten Arabischen Emiraten über das Gebiet des Nachbarlands Tschad. Beide Länder bestreiten dies.

UN verurteilen Luftangriff

Am Montag waren nach UN-Angaben Hunderte Zivilisten bei einem Luftangriff auf RSF-Gebiet in Nord-Darfur getötet worden. Satellitenbilder bestätigten Vorwürfe sudanesischer Gruppen, wonach die Armee einen Markt bombardiert habe, berichtete die "New York Times". Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk, forderte eine Bestrafung der Täter.

In dem Krieg würden fast täglich Zivilisten wahllos getötet, verstümmelt und misshandelt, so Türk. Zivile Objekte seien häufig Ziel von Angriffen. Dabei handele es sich allem Anschein nach um Kriegsverbrechen.

Dieses Thema im Programm: Über dieses Thema berichtete BR24 am 27. März 2025 um 07:38 Uhr.