Aus den USA deportierte Venezolaner in einem Gefängnis in El Salvador

Venezolaner im Gefängnis Tattoos als Grund für Abschiebung?

Stand: 26.03.2025 08:35 Uhr

238 Venezolaner sind von der US-Regierung nach El Salvador abgeschoben worden. Dort landeten sie im Gefängnis. Zumindest einige hatten wohl ihre Tattoos verdächtig gemacht.

"Ihr werdet nach Venezuela gebracht", wurde den Männern vor dem Abschiebeflug gesagt. Stattdessen sind sie jetzt in El Salvador - isoliert von der Außenwelt im Hochsicherheitsgefängnis CECOT, das für 40.000 Insassen ausgelegt ist.

Verzweifelte Mütter warteten vergeblich in Venezuela am Flughafen. "Mein Sohn ist nicht kriminell, er arbeitete in den USA, für die Familie, er ist kein schlechter Junge", klagt eine. "Meiner hat immer gesagt, er habe ein gutes Leben da. Aber das war nicht der amerikanische Traum, sondern amerikanischer Albtraum", so eine andere.

"Unser Problem sind allein die Tattoos"

Der Albtraum basiert - zumindest bei einigen von ihnen - auf Körperkunst: auf Tattoos, sagt Rechtsanwalt Martin Rosenow, der in Miami einen der Männer vertritt.

"Er wurde mehrmals von einem Abschiebe-Beamten interviewt, immer wieder nach seinen Tattoos gefragt. Mitgefangene erzählten dasselbe und sie stellten fest: Unser Problem sind allein die Tattoos. Darauf richteten sich die Augen im Verhör. Unglücklicherweise ist es gefährlich, Tattoos zu haben."

Real-Madrid-Krone wird zum Verhängnis

Dabei sind Tätowierungen auch in USA weit verbreitet. Zum Verdachtsfall werden sie aber bei Lateinamerikanern - zum Verdacht, kriminell und gefährlich zu sein.

Zum Beispiel beim Fußballer Jerce, der eine Krone tätowiert hat. Zeichen einer Bande, sagen die US-Beamten - "nein, es ist die Krone aus dem Wappen meines Lieblingsclubs Real Madrid", so Jerce. Andere haben Blumenmotive, den Namen der Mutter oder die Geburtsstunde der Tochter eingraviert. Eigentlich harmlos.

"Bei keiner Bande Teil der Identität"

Zudem sind Tattoos zwar untrügliche Kennzeichen der mittelamerikanischen kriminellen Banden, vor allem bei älteren Verbrechern: Der Name ihrer Gang oder deren Kürzel sind eingestochen, getötete Kumpel gewürdigt. Tränen unter den Augen signalisieren, wie viele Gegner jemand ermordet hat.

Für venezolanische Banden wie "Tren de Aragua" gilt das aber gar nicht, erklärt die Investigativ-Journalistin Ronna Rísquez. "Bandenmitglieder von 'Tren de Aragua' müssen nicht tätowiert sein, bei keiner venezolanischen Bande sind Tattoos Teil der Identität."

Ungewisses Schicksal

Daraus schließt Rechtsanwalt Rosenow: "Alles deutet auf rassistisches Profiling hin. Die Kunst auf ihren Körpern wurde ihnen zum Verhängnis. Mein Mandant wird fälschlicherweise beschuldigt, aber er ist nicht allein."

Jetzt sitzt der Abgeschobene mit anderen auf einem Metallbett ohne Matratze, Kissen oder Decke im Hochsicherheitsgefängnis von El Salvador. Ohne Kontakt zum Anwalt oder gar der Familie. Schicksal ungewiss.

Niemand kann heute sagen, wie viele der betroffenen Venezolaner tatsächlich Kriminelle sind. Ganz offensichtlich aber haben einige nur ein Problem: ihre Tattoos.

Dieses Thema im Programm: Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 21. März 2025 um 16:20 Uhr.