Palästinenser nehmen an einer Kundgebung in Beit Lahia im nördlichen Gazastreifen teil.

Demo im Gazastreifen Hunderte protestieren gegen den Krieg - und die Hamas

Stand: 26.03.2025 08:09 Uhr

Bei mehreren Protestmärschen in Gazastreifen haben die Menschen ein Ende des Krieges gefordert und sich teilweise auch gegen die Hamas gestellt. Es gibt Aufrufe, die Demonstrationen fortzusetzen.

Hunderte Menschen haben an mehreren Orten im Gazastreifen für eine Ende des Krieges mit Israel demonstriert. Augenzeugen zufolge riefen Menschen dabei in Beit Lahia im Norden des Küstenstreifens vereinzelt auch Anti-Hamas-Sprechchöre. Weitere Märsche fanden im nahegelegenen Dschabalija sowie in Chan Junis im Süden statt. Auf Bildern sind vor allem Männer aber auch Kinder mit Protestschildern zu sehen.

Wie Augenzeugen berichteten, skandierten die überwiegend männlichen Demonstranten bei der Protestkundgebung in Beit Lahia "Hamas raus" und "Hamas-Terroristen". Demonstrationen gelten als selten im Gazastreifen. Die islamistische Hamas ist dafür bekannt, hart gegen interne Gegner vorzugehen. In sozialen Medien gab es dennoch Aufrufe zu einer Fortsetzung der Proteste. 

"Ihre Kinder werden nicht bombardiert"

Ein Demonstrant sagte, er wisse nicht, wer die Demonstration organisiert habe. Im Onlinedienst Telegram war zuvor mindestens ein Aufruf verteilt worden. "Ich habe teilgenommen, um im Namen der Menschen eine Botschaft zu senden: Schluss mit dem Krieg", sagte der Mann. Er habe Mitglieder der Hamas-Sicherheitskräfte in Zivilkleidung gesehen, die den Protest auflösten.

Mehrere Teilnehmer schilderten der Nachrichtenagentur dpa ihre Verzweiflung über die Zustände im Gazastreifen, den andauernden Krieg und äußerten auch Kritik an der Hamas. Die Einwohner des Gazastreifens seien "Geiseln von Menschen, denen wir egal sind", sagte ein Mann. Dies gelte auch für die Hamas. Ein anderer sagte: "Die Hamas sagt uns, wir sollen geduldig sein, aber sie leben in Sicherheit. Ihre Kinder werden nicht bombardiert."

Mehr als 50.000 Tote

Israel hatte vor einer Woche seine Luftangriffe auf Ziele im Gazastreifen wieder aufgenommen. Am Montag hatten Mitglieder der Terrororganisation Palästinensischer Islamischer Dschihad (PIJ) aus dem nördlichen Teil des Gazastreifens Raketen auf Israel abgefeuert. Die israelische Armee veröffentlichte daraufhin Räumungsbefehle für Beit Lahia und Beit Hanun.

Seit dem Angriff palästinensischer Terroristen auf Israel am 7. Oktober 2023 und infolge des dadurch ausgelösten Krieges wurden laut den Gesundheitsbehörden im Gazastreifen bisher mehr als 50.100 Menschen getötet. Bei einem Drittel davon handelt es sich demnach um Kinder und Jugendliche. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen. Internationale Organisationen wie die UN betrachten sie jedoch als weitgehend glaubwürdig. Seitdem die Angriffe vor einer Woche wieder aufgenommen worden sind, wurden Hunderte Menschen bei Angriffen getötet.

Protest auch in Israel

Auch in Jerusalem protestierte Menschen erneut gegen die Politik der rechtsreligiösen israelischen Regierung. Vor dem Parlament versammelten sich Hunderte Menschen, während der neue Haushalt verabschiedet wurde. Nach Medienberichten stießen Demonstranten und die Polizei dabei zusammen, es gab mehrere Festnahmen. Seit dem Neubeginn des Gazakrieges hatten sich auch die Proteste in Israel gegen die Regierung von Benjamin Netanjahu verschärft.

Dieses Thema im Programm: Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 26. März 2025 um 07:00 Uhr.