
Gazastreifen Übergabe weiterer Leichen an Israel geplant
Radikale Palästinenser wollen die Leichen von fünf Geiseln an Israel übergeben - diesmal offenbar ohne Propaganda-Show der Hamas. Israel hat im Gegenzug zugesagt, Hunderte Palästinenser aus der Haft zu entlassen.
Im Gazastreifen will die Terrororganisation Hamas die Leichen von vier getöteten Geiseln an Israel übergeben. Offenbar soll dabei auf die bislang jeder Geiselübergabe veranstaltete Propaganda-Show der Islamisten verzichtet werden.
Zudem will eine weitere militante Gruppe im Gazastreifen nach eigenen Angaben am Donnerstag eine israelische Leiche übergeben. Die mit der Hamas verbündeten al-Nasser-Salah-al-Din-Brigaden erklärten, es handle sich um die sterblichen Überreste eines 50 Jahre alten Mannes. Die Übergabe seiner Leiche ist israelischen Medien zufolge im Rahmen der ersten Phase des Abkommens zwischen Israel und der Hamas vorgesehen.
Andere Gruppe will weitere Leiche übergeben
Hamas-Sprecher Abdul Latif al-Kanu erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur AP, dass die Übergabe der sterblichen Überreste für Donnerstag geplant ist. Die Leichen sind die letzten, die im Rahmen der ersten Phase des Abkommens übergeben werden sollen.
Im Gegenzug will Israel Hunderte palästinensische Häftlinge freilassen. Israel hatte am vergangenen Wochenende die Freilassung von etwa 600 Häftlingen verschoben, um gegen die grausame Behandlung von Geiseln bei deren Freilassung zu protestieren. Internationale Beobachter zeigten sich empört, dass Geiseln zu Auftritten auf großen Bühnen gezwungen wurden und selbst auf den Särgen von Kleinkindern Propagandamaterial angebracht war. Israel wertet die Inszenierungen als Verstoß gegen das Waffenruhe-Abkommen.
Übergabe noch heute?
Laut israelischen Medien hat die Regierung die Vereinbarung bestätigt - und auch, dass die Hamas auf Inszenierungen diesmal verzichten wolle. Allerdings berichtete etwa die Times of Israel, dass der Austausche noch heute stattfinden soll.
Durch die Einigung gibt es wachsende Hoffnung auf eine Fortsetzung der Waffenruhe. Die erste Phase des Abkommens endet am Samstag. Die Verhandlungen über eine zweite Phase hätten schon vor Wochen beginnen sollen. Die jüngste Vereinbarung würde die Verpflichtungen beider Seiten aus der ersten Phase des Abkommens erfüllen.
Große Trauerfeier für getötete Familie Bibas
Zugleich hat in der israelischen Stadt Rischon Lezion der Trauerzug für die Deutsch-Israelin Shiri Bibas und ihre zwei Kinder Kfir und Ariel begonnen. Tausende Trauernde säumten mit israelischen Flaggen und orangefarbenen Luftballons den Weg des Leichenzugs. Die sterblichen Überreste der im Gazastreifen getöteten Hamas-Geiseln sollen in dem Kibbuz Nir Oz bestattet werden.

Das Begräbnis selbst wird im engsten Kreis der Familie stattfinden. Der trauernde Vater und Ehemann Jarden Bibas war selbst als Geisel im Gazastreifen festgehalten und kurz vor der Übergabe seiner getöteten Familienmitglieder freigelassen worden. Das bei seiner Entführung fast neun Monate alte Baby Kfir Bibas und sein vier Jahre alter Bruder Ariel waren die jüngsten Geiseln, die bei dem Überfall der radikalislamischen Hamas und verbündeter Palästinensergruppen auf Israel am Morgen des 7. Oktober 2023 in den Gazastreifen entführt worden waren.
Ihre Leichen waren am vergangenen Donnerstag im Rahmen des Waffenruheabkommens zwischen Israel und der Hamas an Israel übergeben worden. Die Leiche ihrer Mutter wurde einen Tag später übergeben; die Hamas hatte zunächst eine unbekannte Frauenleiche übergeben - was wütenden Protest in Israel ausgelöst hatte. Die Hamas erklärte, sie habe die Leichen verwechselt.