Zukünftige Baufläche des Tourismuszentrums Ahrenshoop

Mecklenburg-Vorpommern Ahrenshoop: Widerstand gegen geplanten Tourismuszentrum-Neubau

Stand: 07.03.2025 12:12 Uhr

In Ahrenshoop soll ein neues Tourismuszentrum gebaut werden. Doch nicht nur die Finanzierung bereitet den Ahrenshoopern Sorge, auch der Mehrwert ist ihnen nicht klar. Zudem scheint der Standort nicht optimal gewählt.

Von Lars Engelbrecht

Ahrenshoops Bürgermeister Benjamin Heinke (CDU) will noch in diesem Jahr den ersten Spatenstich für einen 1.400 Quadratmeter großen Keller mit Tiefgarage setzen. Auf diesem Keller sollen dann Häuser entstehen, die unterirdisch verbunden sind - eine Tourismuszentrale, ein Gästehaus und ein Veranstaltungssaal. 

Standort mit vielen ungünstigen "Vorzeichen"

Die Ahrenshooper Ernst-Otto Kock und Christoph Sporns stehen auf der zukünftigen Baufläche. Sie liegt zentral zwischen der aktuellen Tourismuszentrale des Ortes und dem Gästehaus mit der angeschlossenen Strandhalle des Ortes. Die Wahl dieses Standortes "erschließt" sich ihnen so gar nicht, denn: "Von der Seeseite ist dieses Grundstück als überflutungsgefährdet klassifiziert, von unten drückt nach einem Meter das Grundwasser nach oben und außerdem ist dieses Gelände klassifiziert als von Starkregen gefährdet. Und mit diesen Vorzeichen möchte man hier einen Keller mit Tiefgarage bauen", so Ernst-Otto Kock. Die Gefährdungseinschätzung durch Unwetter für das Grundstück im Kirchnersgang ist auf GeoPortal.mv einsehbar.

Finanzierung des Tourismuszentrums scheint unklar

Im Jahr 2020 hat das Planungsbüro die Kosten für ihren Entwurf des Tourismuszentrums weit unter zehn Millionen Euro geschätzt. Mittlerweile ist die Planungssumme bei knapp 23 Millionen Euro angekommen. Kock lässt seinen Blick von der Düne über den geplanten Bauplatz schweifen: "Wir sind ein Ort mit 630 Einwohnern. Vom Kleinkind bis zum Greis und wenn wir neun Millionen aufnehmen müssen, weil nur 14 Millionen Förderzusage da sind, bedeutet das, dass wir diese neun Millionen mit 40.000 Euro pro Monat über 20 Jahre zurückzahlen müssen. Das muss man sich gut überlegen."

Kock ist gut vernetzt. Ihm liegt eine Kopie der Fördermittelzusicherung aus dem Wirtschaftsministerium vor. Unterschrieben 2024 vom ehemaligen Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD).

Nutzungskonzept nicht wirklich bekannt

Hinzu kommt, dass den Ahrenshoopern bisher nicht klar ist, welchen Mehrwert sie durch den Neubau bekommen werden. Denn Gästehaus, Kurverwaltung und Veranstaltungssaal gibt es bereits. "Wozu wir den Keller mit Tiefgarage benötigen, ist mir nicht klar", so Kock. "Das wird ja kein Parkhaus. Die Stellplätze würden mal gerade für die Angestellten ausreichen und die haben doch ausreichende Parkplätze."

Auch andere stellen seit Monaten Fragen zu dem Projekt. An einem Privathaus hängt zum Beispiel ein Protestplakat. Auf ihm werden Vorwürfe zum Grundstücksankauf thematisiert. Demnach sei ein Drittel der Fläche kein Bauland und trotzdem sei der erhöhte Baulandpreis gezahlt worden. Der Bürgermeister äußert sich nicht zu den Vorwürfen auf dem Plakat. Der Landrat als Rechtsaufsicht teilt mit: „Nach Bekanntwerden des kritisierten Sachverhalts wurden seitens der Kreisverwaltung die üblichen Kontrollvorgänge eingeleitet – nach Recht und Gesetz, ohne Sonderwege.“

Eine Passantin im Ort schüttelt den Kopf: "Wir wollen auch wissen, wie es danach finanziert wird, wenn das fertig ist. Es sind viele, die so denken und wir wollen nur mal Klarheit wissen. Es wäre schön, wenn so eine Versammlung stattfinden würde und dass uns das alles mal erklärt werden würde."

Nachfrage beim Bürgermeister

Genau diese Fragen haben wir auch Bürgermeister Heinke gestellt. Der teilt mit, dass es für dieses Projekt "viele gute Gründe" geben würde. Ohne diese hätte die Gemeindevertretung "die ersten Schritte nicht beschlossen und auf den Weg gebracht", heißt es. Wie diese Gründe aussehen, welche Kosten zu erwarten sind und welche Alternativen es geben würde, solle deshalb in einer Bürger- und Informationsveranstaltung am 18. März 2025 erläutert werden, so Heinke.

Bürgerbegehren will Projekt stoppen

Kock und seine Mitstreiter wollen das Projekt jetzt in letzter Sekunde stoppen, denn der Bauantrag ist bereits gestellt. Sie haben bei der zuständigen Stelle im Landkreis eine Bürgerbefragung beantragt, die am 11. Mai zusammen mit der Landratswahl stattfinden soll. "Bevor hier die Bagger anrollen und Tatsachen geschaffen werden, müssen wir im Ort über dieses wichtige Projekt abstimmen können", so Kock.

Dieses Thema im Programm:
NDR 1 Radio MV | Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern | 07.03.2025 | 19:30 Uhr