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Oscar-Favoritin Späte Anerkennung für Demi Moore?
Demi Moore gilt vor den Oscars als Favoritin für den Hauptdarstellerinnen-Preis. Allein die Nominierung ist eine späte Anerkennung für die 62-Jährige - Jahrzehnte nach ihrem spektakulären Karriereknick.
"Es ist das erste Mal, dass ich etwas als Schauspielerin gewonnen habe", sagt eine sichtlich bewegte Demi Moore, als sie im Januar unter dem Applaus ihrer Hollywood-Kolleginnen und -Kollegen den Golden Globe als beste Hauptdarstellerin in einer Komödie entgegennimmt.
In der Horrorsatire "The Substance" spielt Moore eine Schauspielerin, deren Karriere an ihrem 50. Geburtstag in Trümmern liegt. Ein geheimes Serum, genannt "The Substance", soll ihr zu einem jüngeren, schöneren und perfekteren Selbst verhelfen. Aus einem Schnitt in ihrem Rücken steigt eine jüngere Version ihrer selbst. Während die Junge Erfolge feiert, lebt die Ältere zurückgezogen, um in ihrem Körper einen Stabilisator für das andere Ich herzustellen.
Bei den Oscars, die am Abend des 2. März in Los Angeles verliehen werden, ist der Film der französischen Regisseurin Coralie Fargeat für fünf Preise nominiert. Spätestens seit dem Skandal um rassistische und islamfeindliche Tweets der mitnominierten Karla Sofía Gascón ("Emilia Pérez") gilt Demi Moore als Favoritin für die Auszeichnung.
Karrierestart als Erotikmodel und Seifenopernstar
Ihre Jugend und ihr Körper sind von Beginn an die definierenden Faktoren in Demi Moores Karriere. Noch minderjährig modelt sie um 1980 auch für Erotikmagazine. Ihre ersten größeren Schauspielrollen erhält sie Anfang der 1980er-Jahre in Horrorfilmen und der erfolgreichen Soap-Opera "General Hospital".
Mitte der 1980er-Jahre etabliert sie sich mit Filmen wie "St.Elmo’s Fire - Die Leidenschaft brennt tief" und "Nochmal so wie letzte Nacht" (1986) als Jungschauspielerin.
An der Seite von Patrick Swayze zum Superstar
Die Geister-Romanze "Ghost - Nachricht von Sam" macht Demi Moore an der Seite von Patrick Swayze 1991 zum Hollywood-Superstar. Sie wird für den Golden Globe nominiert - es bleibt aber eine von wenigen ernstzunehmenden Schauspielwürdigungen.
Große Blockbuster-Erfolge folgen mit "Eine Frage der Ehre" (1992) an der Seite von Tom Cruise und Jack Nicholson, "Ein unmoralisches Angebot" (1993) mit Robert Redford oder "Enthüllung" (1994) mit Michael Douglas.
Im Zentrum stehen dabei immer wieder Moores Körper und ihre Wirkung auf ältere Männer. 1991 lässt sich die Schauspielerin von Star-Fotografin Annie Leibovitz nackt, hochschwanger und werbewirksam für das Cover des Magazins Vanity Fair ablichten.
Bestbezahlte Schauspielerin Hollywoods - und meistkritisierte
Mitte der 1990er-Jahre steigt Moore zur bestbezahlten Schauspielerin Hollywoods auf. Für ihre Rolle in "Striptease" erhält sie 1996 eine Gage von 12,5 Millionen US-Dollar. Der Film fällt bei den Kritikern durch, Moore wird mit der "Goldenen Himbeere" als schlechteste Hauptdarstellerin und, gemeinsam mit Filmpartner Burt Reynolds, als schlechtestes Filmpaar bedacht.
Den Schmähpreis erhält sie im Folgejahr einmal mehr für Ridley Scotts "Die Akte Jane". Nach den schlechten Kritiken für ihre schauspielerische Leistung zieht sich Demi Moore aus Hollywood zurück.
Sie habe sich sehr unsicher gefühlt, sagt Moore in ihrer Dankesrede bei den Golden Globes 2025, nachdem ihr ein Produzent gesagt habe, sie sei lediglich "eine Popcorn-Schauspielerin". "Zu dieser Zeit hieß das für mich, dass das hier nichts war, was ich haben durfte", sagt sie mit Blick auf ihre Auszeichnung - "dass ich Filme machen könnte, die erfolgreich sind und die einen Haufen Geld bringen, aber dass ich keine Anerkennung erfahren könnte".
Späte Anerkennung in "The Substance"
Als Frau Ende 30 werden die Angebote in Hollywood für Moore um die Jahrtausendwende weniger. Filme wie Emilio Estevez' "Bobby" (2006) und J.C. Chandors "Der große Crash - Margin Call" (2011) werden für das starke Ensemble gelobt, besondere Beachtung erfährt die Einzelleistung Moores allerdings nicht.
Ein Oscar-Gewinn für "The Substance" könnte für die 62-Jährige nun die späte Anerkennung als ernstzunehmende Darstellerin bedeuten. Es ist die Art von Geschichten, wie sie Hollywood liebt - man denke an Brandon Fraser, der 2023 für "The Whale" ausgezeichnet wurde.
Ob mit oder ohne Academy Award: Demi Moore hat sich bewiesen. Als Schauspielerin mit Substanz, nicht nur als makellose Hülle.