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Nach 76 Jahren Keine Audis mehr aus Brüssel
Anfang Februar liefen die Bänder nochmal an, um drei Wochen lang wenigstens einen Teil der restlichen Bestellungen abzuarbeiten. Jetzt ist es endgültig vorbei: Das Audi-Werk in Brüssel schließt.
Seit 76 Jahren wurden in dem Brüsseler Werk Autos gebaut, der erste Wagen lief im April 1949 vom Band - ein Modell der amerikanischen Marke "Studebaker". 1970 übernahm Volkswagen den Standort und baute hier den Käfer. Später ging das Werk an die VW-Tochter Audi, die in dem Werk insgesamt 910.000 mal den A1 fertigte.
Niedrige Verkaufszahlen, suboptimaler Standort
Seit 2018 schließlich produzierte Audi in Brüssel den Q8 E-Tron - ein E-Auto der hochpreisigen Mittelklasse, Listenpreis ab 78.000 Euro. Angesichts des wachsenden Bedarfs an Elektroautos eigentlich eine zukunftsträchtige Investition, sollte man meinen.
Doch der Absatz war nie so, wie Audi sich das erhofft hatte. In Deutschland zum Beispiel sackten die Zulassungszahlen für den Q8 E-tron von 13.000 (2022) auf knapp 10.000 (2023) und weiter auf nur noch 4.300 im vergangenen Jahr ab.
Ein Problem wurde auch das Werksgelände, das - eingezwängt zwischen einem riesigen Güterbahnhof und einer Wohnsiedlung - keine Erweiterungen zuließ. Die Kapazität war damit auf höchstens 100.000 Fahrzeuge pro Jahr beschränkt. Nach Einschätzung von Fachleuten ließ sich da angesichts der Größenordnung anderer Autofabriken kaum noch rentabel produzieren.
3.000 Beschäftigte und Hunderte Zuliefererjobs betroffen
Ende Oktober vergangenen Jahres entschied Audi: Wir gehen raus, Ende Februar. Die anschließenden Gespräche mit möglichen neuen Investoren - mehr als zwei Dutzend sollen es gewesen sein - führten nicht zur erhofften Rettung.
Die rund 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erhalten über einen Sozialplan zusätzlich zum Kündigungsgeld eine Unternehmensprämie, je nach Job und Dauer der Betriebszugehörigkeit. Ebenfalls von der Stilllegung betroffen sind Hunderte Arbeitskräfte bei Zulieferern. In der vergangenen Woche blockierten sie die Werkstore und verlangten einen Sozialplan mit höheren Abfindungen.
Nutzung durch die Rüstungsindustrie?
Unklar ist noch, was aus dem 54 Hektar großen Werksgelände im Südwesten der belgischen Hauptstadt wird. Im Gespräch sind die Ansiedlung von Betrieben oder die Nutzung durch die Rüstungsindustrie.
In der Tageszeitung "Le Soir" heißt es, die Stadtverwaltung neige zu einer weiterhin industriellen Nutzung, weil dies die Schaffung und Ansiedlung neuer, womöglich hochqualifizierter Arbeitsplätze ermögliche - und weil eine Erweiterung des benachbarten Wohnviertels erhebliche Kosten für die Sanierung des Geländes bedeuten würde.