
Reaktionen auf US-Zölle "Schwerer Schlag für die Weltwirtschaft"
Die Kritik an Trumps Zollpaket ließ nicht lange auf sich warten: Als "schweren Schlag für die Weltwirtschaft" bezeichnete EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen die Maßnahme. Andere sprachen von einer "Kampfansage" und "Geisterfahrt".
Das neue Zollpaket von US-Präsident Donald Trump trifft viele Länder hart - auch die EU-Mitgliedsstaaten sind betroffen. Entsprechend kritisch äußerte sich EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen. Sie sprach von einem "schweren Schlag für die Weltwirtschaft". Die Zölle hätten entsetzliche Konsequenzen für Millionen Menschen auf der Erde, sagte von der Leyen bei einem Besuch in der usbekischen Stadt Samarkand.
Die EU-Mitgliedsstaaten arbeiteten bereits an einem "neuen Paket" von Gegenmaßnahmen, "um unsere Interessen und unsere Unternehmen zu schützen, falls die Verhandlungen scheitern", sagte die Kommissionschefin. Zugleich signalisierte von der Leyen die anhaltende Bereitschaft zu weiteren Gesprächen mit der US-Regierung. "Es gibt einen alternativen Weg", sagte von der Leyen.
Sie verwies darauf, dass EU-Handelskommissar Maros Sefcovic "in ständigem Kontakt" mit seinem US-Kollegen Howard Lutnick stehe. "Wir werden uns bemühen, die Hindernisse zu verringern und nicht zu erhöhen."
EU-Ratspräsident setzt auf Handel mit anderen Ländern
EU-Ratspräsident António Costa ruft nach den US-Zollankündigungen zum Ausbau der Handelsbeziehungen zu anderen Ländern auf. Es sei nun an der Zeit, die geplanten neuen Freihandelsabkommen mit dem südamerikanischen Staatenbündnis Mercosur und Mexiko zu ratifizieren, teilte Costa am Rande eines Gipfeltreffens mit Staats- und Regierungschefs zentralasiatischer Staaten in Usbekistan mit.
Zudem sollten die Verhandlungen mit Indien und anderen wichtigen Partnern entscheidend vorgetrieben werden. "Der Handel ist ein starker Motor des globalen Wohlstands", betonte der frühere portugiesische Regierungschef. Die EU werde sich auch weiterhin entschieden für freien und fairen Handel einsetzen.
Wütende Reaktionen und Gegenzölle
Von "Willkür", die "völlig inakzeptabel" sei, sprach der Vorsitzende des Handelsausschusses im EU-Parlament, Bernd Lange von der SPD, in den tagesthemen. Die Ankündigungen seien eine "Kampfansage". Lange erwartet für die EU einen Schaden in einem hohen zweistelligen Milliardenbereich. Man sei jedoch vorbereitet und werde mit Gegenmaßnahmen reagieren, so Lange.
Eine "Vollkatastrophe" und "eine handelspolitische Geisterfahrt des US-Präsidenten" nannte der Chef der deutschen Unionsabgeordneten im Europaparlament, Daniel Caspary, die Zollankündigungen aus dem Weißen Haus. Manfred Weber, Präsident der Europäischen Volkspartei EVP im Europäischen Parlament, sieht Europa bereit, seine Interessen im Handelsstreit mit den USA zu verteidigen. "Für unsere amerikanischen Freunde ist heute kein Tag der Befreiung, sondern ein Tag der Verbitterung", schrieb der CSU-Politiker auf der Plattform X. Donald Trumps Zölle schadeten beiden Seiten des Atlantiks. "Europa steht vereint, ist bereit, seine Interessen zu verteidigen und offen für faire, entschlossene Gespräche."
Die Grünen forderten dies auch für den Dienstleistungsbereich, zum Beispiel eine EU-Digitalsteuer oder Einschränkungen für amerikanische Banken auf dem europäischen Markt. Die EU-Kommission hat bereits ein Paket mit Gegenzöllen angekündigt, die am 14. April in Kraft treten sollen. Einzelheiten dazu sind bislang allerdings noch nicht bekannt. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen will sich in den Morgenstunden äußern.
Folgen auch für Deutschland
Außenhandelspräsident Dirk Jandura erwartet auch negative Folgen für die deutsche Wirtschaft. "Ich sage es ganz offen: Das werden wir spüren", sagte der Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) der Nachrichtenagentur Reuters. "Die Zölle werden wir in Preissteigerungen umsetzen müssen, und das bedeutet in vielen Fällen einen Umsatzrückgang." Bei kleineren Unternehmen, die schon geschwächt aus den letzten schwierigen Jahren gekommen seien, könne das auch das Aus bedeuten. Damit treffe es dann auch deren Arbeitnehmer.
Die Präsidentin des deutschen Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Hildegard Müller, bezeichnete den US-Schritt als fundamentalen handelspolitischen Einschnitt. "Es ist die Abkehr der USA von der regelbasierten globalen Handelsordnung - und somit die Abkehr von der Grundlage für weltweite Wertschöpfung und entsprechendes Wachstum und Wohlstand in vielen Regionen der Welt. Das ist kein America first, das ist America alone", erklärte die VDA-Präsidentin.
Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) bedauerte die Entscheidung der US-Regierung. "Jetzt gilt es für alle Beteiligten, einen kühlen Kopf zu bewahren", sagte VCI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup. "Eine Eskalationsspirale würde den Schaden nur vergrößern. Unser Land darf nicht zum Spielball eines ausufernden Handelskrieges werden." Brüssel müsse in seiner Reaktion flexibel und im engen Dialog mit Washington bleiben. Europa brauche ein starkes Mandat, auch im Interesse der deutschen Industrie. "Das Ziel muss eine beidseitig faire Lösung sein - für Europa und die USA", sagte Große Entrup.
Der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Moritz Schularick, bezeichnete die neuen US-Zölle als einen schweren Schock für den Welthandel. "Wenn diese Zölle in dieser Form bestehen bleiben, dann ist das eine Zäsur für die Weltwirtschaft, wie wir sie kennen. Dann sind wir in einem anderen Welthandelsregime. Das tut richtig weh, auch den Amerikanern", sagte Schularick dem "Handelsblatt".
Betonte Gelassenheit in anderen Ländern
Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni bezeichnete die US-Zölle als "falsch". Sie hoffe vielmehr auf eine Zusammenarbeit der USA und Europas, um einen Handelskrieg zu vermeiden, sagte sie. Dieser würde den Westen schwächen.
Der französische Branchenverband FEVS erwartet einen Rückgang der Wein- und Spirituosenexporte von mindestens 20 Prozent. Das sagte der Verbandsvorsitzende Gabriel Picard dem Sender BFM TV.
Großbritannien wird Wirtschaftsminister Jonathan Reynolds zufolge angesichts der US-Zölle "ruhig und entschlossen" bleiben, ein Wirtschaftsabkommen mit den USA anzustreben. "Wir haben eine Reihe von Instrumenten zur Verfügung und werden nicht zögern zu handeln", heißt es in einer Erklärung. Darin weist Reynolds auch darauf hin, dass die USA der engste Verbündete des Königreichs seien. Die USA haben für Großbritannien Zölle von zehn Prozent vorgesehen.
Australien wird Ministerpräsident Anthony Albanese zufolge auf Vergeltungszölle verzichten. "Wir werden weiterhin mit Nachdruck dafür eintreten, dass diese ungerechtfertigten Zölle für unsere Exporteure aufgehoben werden", sagte er. Die von den USA angekündigten Aufschläge seien "nicht die Tat eines Freundes". Die Maßnahme werde die Kosten für amerikanische Haushalte in die Höhe treiben.
Auswirkungen auch an den Börsen
Kanadas Ministerpräsident Mark Carney kündigte allerdings Gegenmaßnahmen an. Diese würden am Donnerstag bekanntgegeben, sagte er vor einer Kabinettssitzung. "Es ist wichtig, zielgerichtet und mit Nachdruck zu handeln, und genau das werden wir tun." Dem US-Präsidialamt zufolge gilt der neue Basiszoll von zehn Prozent zwar nicht für Kanada. Allerdings bleiben die US-Zölle von 25 Prozent für viele Güter im Zusammenhang mit Drogen- und Einwanderungsfragen in Kraft.
Auch China drohte mit Gegenmaßnahmen. Die Volksrepublik habe die Ankündigung wechselseitiger Zölle zur Kenntnis genommen und lehne diese entschieden ab, teilte das Handelsministerium in Peking mit. China werde seine Rechte und Interessen zu schützen.
Der amtierende südkoreanische Präsident Han Duck-soo ordnete Sofortmaßnahmen zur Unterstützung von Unternehmen an, die von den US-Zöllen betroffen sind. Dies teilte das Industrieministerium mit. "Da der globale Handelskrieg zur Realität geworden ist, muss die Regierung all ihre Fähigkeiten einsetzen, um die Handelskrise zu überwinden", sagte Han nach Angaben des Ministeriums bei einem Treffen mit dem Finanzminister und anderen Spitzenbeamten.
Die Aktien großer Technologiekonzerne gaben im nachbörslichen US-Handel zunächst deutlich nach. Apple fiel zeitweise um 6,1 Prozent, Microsoft um zwei Prozent und Nvidia um 4,7 Prozent. Amazon gibt fünf Prozent nach, Meta fällt ebenfalls 4,7 Prozent und Tesla 5,9 Prozent. Für Alphabet ging es drei Prozent runter, für Alibaba 3,9 Prozent und für Netflix 2,8 Prozent. Auch Unternehmen der Chipbranche ließen im nachbörslichen Handel Federn.
Mit Informationen von Thomas Spickhofen, ARD-Studio Brüssel