Auf einem Blatt Papier steht CDU in schwarzer und SPD in roter Schrift, daneben liegt ein Malkasten.
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Sondierung zwischen Union und SPD Es gibt keine andere Möglichkeit

Stand: 28.02.2025 13:55 Uhr

Union und SPD beginnen ihre Sondierungen. Das ist vielleicht die letzte Chance, ein weiteres Erstarken der Ränder zu verhindern. Am wichtigsten: Erstmal Vertrauen aufbauen und nichts Vertrauliches preisgeben.

Ein Kommentar von Torben Ostermann, ARD-Hauptstadtstudio

Nun geht es also los. Schneller als gedacht treffen sich die Verhandlerinnen und Verhandler von Union und SPD zu ersten Gesprächen. Sondieren heißt das offiziell. Es ist ein vorsichtiges Rantasten aneinander.

Wenn das klappen soll mit dem, was man früher Große Koalition nannte, dann sind diese Tage jetzt ganz besonders wichtig. Denn jetzt zeigt sich, ob man einander vertrauen kann.

Der Wahlkampf war hart, teilweise schmutzig, in jedem Fall aber geprägt von persönlichen Herabwürdigungen. Es sind Verletzungen entstanden, auf beiden Seiten, bei der Union und der SPD.

Aber es nützt ja nichts. Es gibt im Grunde keine andere Möglichkeit, als dass sich CDU/CSU und SPD einig werden und eine Regierung bilden. So verhasst der Merkel-Ausdruck "alternativlos" ist, so wahr ist er gerade mit Blick auf das Wahlergebnis.

Jetzt nur nichts durchstechen

Und so ist es gerade für die kommenden Tage wichtig, möglichst wenig zu hören von denen, die jetzt verhandeln. Möglichst wenig Statements, möglichst keine spitzen Bemerkungen. Jetzt zählt volle Konzentration. Handys ausmachen, bohrende Fragen von Journalisten ignorieren und stattdessen überlegen, was dieses Land jetzt braucht. Nur so kann Vertrauen entstehen - untereinander und bei der Bevölkerung.

Es mag ein naiver Gedanke sein, er wird dadurch aber nicht falsch. Zu oft sind in den vergangenen Jahren Informationen aus vertraulichen Sitzungen rausgegeben worden. Die schnelle Schlagzeile löst offenbar einen großen Reiz aus. "Widersteht diesem Reiz", möchte man den Verhandlern zurufen. Durchstechereien sind Gift für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit.

Reden ist gut, Vertrauen ist besser

Es dürfte kein Zufall sein, dass CDU-Chef Friedrich Merz seine Mitstreiter gerne mal bittet, dass Handy nicht mit in die Sitzung zu nehmen oder es zumindest auszuschalten. Gerade aus der Union drangen in den vergangenen Jahren immer wieder Interna nach außen.

In einer perfekten Welt würden die Verhandlerinnen und Verhandler Berlin jetzt für ein paar Tage verlassen. Gemeinsam in der Abgeschiedenheit Brandenburgs - am besten ohne Netzempfang - kämen beide Seiten sicherlich schneller zueinander.

Vertrauen entsteht langsam und geht schnell wieder kaputt. Und wenn es stimmt, dass es jetzt auf die demokratische Mitte ankommt, dass es vielleicht sowas wie die letzte Chance ist, um ein weiteres Erstarken der Ränder zu verhindern, dann kann der Wunsch nur sein, jetzt möglichst wenig aus den Verhandlungen zu hören. Rote Linien sind den meisten Menschen wahrscheinlich egal. Und eine Schlagzeile heute ist morgen schon wieder vergessen. Miteinander reden ist gut, einander Vertrauen ist besser.

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Dieses Thema im Programm: Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 28. Februar 2025 um 12:00 Uhr.