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US-Handelspolitik Was Trumps Zollpaket vorsieht

Stand: 03.04.2025 11:21 Uhr

Wochenlang hatte US-Präsident Trump mit einem gewaltigen Zollpaket gedroht. Nun hat er seine Pläne präsentiert. Die EU möchte einen Handelskrieg verhindern - bereitet aber Gegenmaßnahmen vor.

Was hat Trump angekündigt?

Die USA belegen ab Samstag Einfuhren aus allen Ländern pauschal mit Zöllen von zehn Prozent. Außerdem kündigte die US-Regierung einen komplexen Mechanismus an, der für viele Länder höhere Zölle vorsieht. Dieser wird ab dem 9. April gelten. Ein Berater Trumps bezeichnete diese Länder als "schlimmste Übeltäter". Gemeint sind solche Länder, mit denen die Vereinigten Staaten nach Auffassung der US-Regierung ein besonders großes Handelsdefizit haben. 

Hintergrund zum Zollstreit zwischen den USA und dem Rest der Welt

A. v. Beyme/B. Bourneuf, ARD-aktuell, tagesschau24, 03.04.2025 10:00 Uhr

Die Amerikaner sprechen an dieser Stelle von der Belegung mit wechselseitigen Zöllen - also von einem Prinzip der Gegenseitigkeit. Ihre Argumentation: Viele Länder erschwerten den Import von US-Produkten, das könne man sich nicht länger bieten lassen. Washington bezieht sich dabei nicht nur auf Zölle, sondern auch Handelshemmnisse wie Subventionen, strenge Einfuhrvorgaben, Diebstahl geistigen Eigentums und Währungsmanipulation in ihre Kalkulation mit ein. Diese Barrieren seien "weit schlimmer" als die eigentlichen Zölle, heißt es aus dem Weißen Haus. 

Die US-Regierung hat nun für jedes Land einen Prozentsatz ermittelt, der sowohl Zölle als auch diese anderen Handelshemmnisse abbilden soll. Daraus leitet sich dann der entsprechende Zoll auf Importe aus diesen Ländern ab. Er ist jeweils etwa halb so hoch wie der von den Amerikanern ermittelte und schwer überprüfbar. Der Wert setzt sich offenbar aus einer Kombination des Handelsbilanzdefizits mit den Gesamtexporten eines Staates zusammen.

Trump beruft sich auf den International Emergency Economic Powers Act (IEEPA). Das Gesetz aus dem Jahr 1977, war auch Basis für im Februar verhängte Zölle auf chinesische, mexikanische und kanadische Waren. Trump rechtfertigte diese mit dem Kampf gegen das Opioid Fentanyl und die illegale Einwanderung in die USA. Das IEEPA räumt ihm weitreichende Befugnisse zur Krisenbekämpfung ein.

Trumps "Liberation Day": Wen treffen die verhängten Zölle?

Torben Börgers, ARD Washington, tagesthemen, 02.04.2025 23:15 Uhr

Für welche Länder gelten nun besonders hohe Einfuhrgebühren?

Einige Länder treffen die neuen Zölle besonders hart. Teilweise werden sehr kleine Handelspartner stark abgestraft, etwa Krisenländer wie Syrien und Myanmar. Die härtesten Zölle von je 50 Prozent treffen den afrikanischen Kleinstaat Lesotho und ein französisches Überseegebiet, die Inselgruppe Saint-Pierre und Miquelon - letzteres hat nicht einmal 6.000 Einwohner, entsprechend marginal dürften die Exporte von dort in die USA sein.

Es folgen Kambodscha mit 49 Prozent und Laos mit 48 Prozent vor Madagaskar mit 47 Prozent. Vietnam muss 46 Prozent verkraften, für Myanmar und Sri Lanka sind es 44 Prozent und Syrien 41 Prozent. Für China, die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt nach den USA, belaufen sich die neuen Zölle auf 34 Prozent - zusätzlich zu bereits geltenden happigen Strafabgaben auf Produkte aus der Volksrepublik.

Weniger hart fallen die Zölle für Großbritannien, Brasilien und Singapur aus - Staaten, die im vergangenen Jahr Handelsdefizite gegenüber den USA aufwiesen. Dennoch gilt für sie der Basiszollsatz von zehn Prozent. Vertreter des US-Präsidialamtes erklärten, viele Länder würden höhere Defizite gegenüber den USA aufweisen, wenn ihre Politik fairer wäre.

Russland dagegen fehlt auf Trumps langer Liste - im Gegensatz zur Ukraine, für die Strafzölle von zehn Prozent fällig werden sollen. Zur Erklärung führte Trumps Sprecherin Karoline Leavitt der US-Nachrichtenseite "Axios" gegenüber an, dass Russland nicht berücksichtigt wurde, weil US-Sanktionen bereits "jeden bedeutenden Handel ausschließen". Dabei liegt Russland in der Handelsbilanz der USA bei Warenimporten aber immer noch vor der Ukraine: Der US-Statistikbehörde nach kamen im Jahr 2024 Waren im Wert von rund drei Milliarden Dollar aus Russland in die USA - im Vergleich zu etwa 1,2 Milliarden Dollar aus der Ukraine.

Welche individuellen Zölle Trump verhängt hat
Land Zölle
Lesotho 50 Prozent
Saint Pierre und Miquelon 50 Prozent
Kambodscha 49 Prozent
Laos 48 Prozent
Madagaskar 47 Prozent
Vietnam 46 Prozent
Myanmar 44 Prozent
Sri Lanka 44 Prozent
Syrien 41 Prozent
Mauritius 40 Prozent
Irak 39 Prozent
Bangladesch 37 Prozent
Botswana 37 Prozent
Liechtenstein 37 Prozent
Serbien 37 Prozent
Thailand 36 Prozent
Bosnien und Herzegowina 35 Prozent
China 34 Prozent
Nordmazedonien 33 Prozent
Angola 32 Prozent
Fidschi 32 Prozent
Indonesien 32 Prozent
Taiwan 32 Prozent
Libyen 31 Prozent
Moldawien 31 Prozent
Schweiz 31 Prozent
Algerien 30 Prozent
Nauru 30 Prozent
Südafrika 30 Prozent
Indien 26 Prozent
Südkorea 25 Prozent
Japan 24 Prozent
Europäische Union 20 Prozent
Argentinien 10 Prozent
Australien 10 Prozent
Brasilien 10 Prozent
Saudi-Arabien 10 Prozent
Türkei 10 Prozent
Großbritannien und Nordirland 10 Prozent

Gibt es Sonderregeln?

Die USA haben bereits vor Trumps gewaltiger Zollankündigung diverse Strafabgaben auf bestimmte Produkte verhängt, die weiter greifen. So sollen ab heute Zölle in Höhe von 25 Prozent auf alle in die USA importierten Autos gelten, für Autoteile soll diese Strafmaßnahme spätestens am 3. Mai greifen. Auch auf alle Stahl- und Aluminiumeinfuhren erheben die USA Zölle in Höhe von 25 Prozent. Für bestimmte Importe aus Kanada und Mexiko werden ebenfalls Strafabgaben fällig - es gibt aber bestimmte Ausnahmen. 

An all diesen spezifischen Zöllen ändert sich nun wohl erst einmal nichts - die neuen Zollregelungen finden hier den Angaben nach keine Anwendung. Ein hochrangiger Regierungsvertreter machte auch deutlich, dass Trump bald sogar noch weitere spezifische Strafmaßnahmen für bestimmte Produktgruppen verhängen könnte - egal aus welchem Land sie kommen. Explizit nannte er dabei: Halbleiter, Arzneimittel und kritische Mineralien. 

Wie sind die Reaktionen?

Die wichtigsten Handelspartner der Vereinigten Staaten haben verhalten auf das Zollpaket reagiert. "Niemand will einen Handelskrieg", sagte der britische Wirtschaftsminister Jonathan Reynolds. Die britische Regierung will zunächst keine Vergeltungszölle verhängen, "aber nichts ist vom Tisch, und die Regierung wird alles Notwendige tun, um die nationalen Interessen des Vereinigten Königreichs zu verteidigen".

Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni bezeichnete die neuen Zölle als "falsch" und sagte, dass sie keiner Seite nützten. "Wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, um auf eine Einigung mit den Vereinigten Staaten hinzuarbeiten, mit dem Ziel, einen Handelskrieg zu vermeiden, der unweigerlich den Westen zugunsten anderer globaler Akteure schwächen würde", schrieb Meloni in einem Facebook-Post.

Japan reagierte besorgt auf die US-Ankündigung. Man habe der amerikanischen Seite gesagt, dass die Maßnahmen "äußerst bedauerlich" seien, sagte Regierungssprecher Yoshimasa Hayashi. Man habe "nachdrücklich gebeten", die Maßnahmen zu überdenken. 

Der australische Premierminister Anthony Albanese sagte, die gegen sein Land verhängten US-Zölle seien völlig ungerechtfertigt, aber Australien werde keine Vergeltungsmaßnahmen ergreifen. "Die Zölle der Regierung entbehren jeglicher Logik und widersprechen den Grundlagen der Partnerschaft zwischen unseren beiden Ländern. Dies ist nicht das Verhalten eines Freundes."

China drohte den USA mit Gegenmaßnahmen. Die Volksrepublik habe die Ankündigung wechselseitiger Zölle zur Kenntnis genommen und lehne diese entschieden ab, teilte das Handelsministerium in Peking mit. China werde entschlossen Gegenmaßnahmen ergreifen, um seine Rechte und Interessen zu schützen.

Der chilenische Präsident Gabriel Boric warnte, dass Trumps Maßnahmen nicht nur zu Unsicherheit führten, sondern auch "gegenseitig vereinbarte Regeln" und "Grundsätze des internationalen Handels" in Frage stellten.

Wie betreffen die Zölle die EU?

Für die Europäische Union heißt das, dass Exporte ihrer Mitgliedsländer in die Vereinigten Staaten mit einem Zoll von 20 Prozent belegt werden. Deutschland als drittgrößte Volkswirtschaft der Welt ist in der Zoll-Liste des Weißen Hauses nicht einzeln aufgeführt, sondern fällt unter die Bestimmungen für die EU.

Trump kritisiert die EU nicht nur für höhere Zölle, er moniert auch die in Europa erhobene Mehrwertsteuer als bedeutende Handelsbarriere für US-Produkte. Das Argument ist allerdings fragwürdig, denn die Mehrwertsteuer wird für Produkte aus der EU gleichermaßen fällig. 

Die Amerikaner haben errechnet, dass die Europäische Union Zölle in Höhe von 39 Prozent auf US-Importe verhänge - dabei sollen alle Handelshemmnisse berücksichtigt sein. Wie genau die US-Regierung diesen Wert ermittelt hat, ist unklar. Die EU selbst gibt an, dass es aus technischen Gründen schwer sei, einen absoluten Wert zu ermitteln, da sich ein Durchschnitt auf sehr unterschiedliche Weise berechnen lasse. "Legt man jedoch den tatsächlichen Warenhandel zwischen der EU und den USA zugrunde, so liegt der durchschnittliche Zollsatz in der Praxis auf beiden Seiten bei etwa einem Prozent", betont die EU-Kommission. 

Die Zollunterschiede mit der Europäischen Union schätzen Fachleute in den meisten Bereichen als eher klein ein. Die große Ausnahme ist der Agrarsektor, wo die EU-Zölle teils deutlich höher sind als in den USA - insbesondere auf Milchprodukte, Fleisch, Zucker und Geflügel. Zu beachten sind hier auch unterschiedliche Standards und Importvorgaben. Auch Textilien und Bekleidung aus den USA unterliegen in Europa meist etwas höheren Zöllen als umgekehrt - der Unterschied ist aber teils geringfügig. Andersherum sind Zölle auf Kunststoffe, Chemikalien, Kunstwerke und Antiquitäten in den USA teilweise höher als in der Europäischen Union.

Was heißt das für die deutsche Wirtschaft?

Ein Importzoll funktioniert ähnlich wie eine Steuer. Sie muss vom importierenden Unternehmen gezahlt werden - in diesem Fall also von den Unternehmen in den USA. Es gilt als wahrscheinlich, dass die importierenden Unternehmen die höheren Kosten nicht einfach selbst übernehmen. Sie dürften sie an die Verbraucher weitergeben - die Preise steigen. Trumps Ziel ist, US-Händler davon abzuhalten, Produkte aus dem Ausland einzuführen. Das soll langfristig den Produktionsstandort USA fördern. 

Ökonomen warnen vor erheblichen Folgen für die deutsche Wirtschaft. "Auch Europa und insbesondere das exportstarke Deutschland sind von diesen Zöllen betroffen", sagte der Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Achim Wambach, der Nachrichtenagentur Reuters. Studien gingen davon aus, dass die Exporte aus Deutschland in die USA um etwa 20 Prozent einbrechen dürften. "Das Bruttoinlandsprodukt wird um bis zu 0,5 Prozent sinken", sagte Wambach. Gleichzeitig dürften Unternehmen aus Drittstaaten ihre Exporte umlenken und mehr Güter in die EU liefern, "was tendenziell zu geringeren Preisen führen wird".

Dem Münchner Ifo-Institut zufolge könnten die Zölle einen dauerhaften Rückgang des deutschen Bruttoinlandsproduktes um 0,3 Prozent bedeuten. Einige Schlüsselbranchen wie Pharma, Auto und Maschinenbau dürften dabei stärker betroffen sein.

Anne-Catherine Beck, HR, zur Entwicklung des DAX nach der Zollankündigung Trumps

tagesschau, 03.04.2025 12:00 Uhr

Wie reagiert die EU?

Die EU bereitet Gegenmaßnahmen vor, bleibt aber gesprächsbereit. "Wir finalisieren bereits das erste Maßnahmenpaket als Reaktion auf die Stahlzölle und bereiten nun weitere Maßnahmen vor, um unsere Interessen und Unternehmen zu schützen, falls die Verhandlungen scheitern", sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.

Zugleich betonte sie, es sei noch nicht zu spät für Verhandlungen und appelliert an die US-Seite, sich auf Gespräche einzulassen. Ziel müsse es sein, Handelshemmnisse abzubauen und nicht, sie zu erhöhen.

Welche Gegenmaßnahmen sind geplant?

Details nannte von der Leyen nicht. Nach Angaben aus Kommissionskreisen würden sie aber unter anderem die Einführung weitreichender Gegenzölle beinhalten. Zudem werden Abgaben auf digitale Dienstleistungen von US-Unternehmen in der EU erwogen. Sie könnten die Plattform X von Trump-Unterstützer Elon Musk und Firmen wie Google, Amazon oder Netflix treffen. Die französische Regierungssprecherin Sophie Primas erklärte, die EU sei "bereit zu einem Handelskrieg".

Bereits angekündigt ist, dass Mitte April die derzeit ausgesetzten Sonderzölle auf US-Produkte wie Jeans, Bourbon-Whiskey, Motorräder und Erdnussbutter wieder eingeführt werden. Dies ist aber die Reaktion auf die US-Sonderzölle auf Stahl- und Aluminiumimporte, die bereits in Kraft getreten sind. Die zweite Welle wird für Ende April erwartet.

Welche Angebote könnte die EU in Verhandlungen machen?

Neben Zollsenkungen auf Waren wie US-Autos gelten neue Abkommen als Option. Nach Einschätzung der EU-Kommission könnten die Europäische Union und Trump etwa einen neuen Deal zum Ausbau amerikanischer Exporte von Flüssiggas (LNG) schließen.

"Wir bekommen immer noch viel LNG aus Russland, warum also nicht stattdessen amerikanisches LNG einsetzen, das günstiger für uns ist und unsere Energiepreise senkt", sagte von der Leyen bereits im vergangenen Jahr. Zudem wäre es möglich, mehr Militärtechnik und Agrargüter aus den USA zu importieren.

Wie sind die Erfolgsaussichten?

Das ist unklar. In seiner ersten Amtszeit ließ sich Trump durch einen Deal zur Förderung der EU-Importe von US-Produkten wie Soja, Rindfleisch und Flüssiggas davon abhalten, den bereits damals bestehenden Handelskonflikt weiter zu eskalieren. Für die Verhandlungen war damals Jean-Claude Juncker zuständig, der seitdem den Ruf hat, ein "Trump-Flüsterer" zu sein. 

Der Nachrichtenagentur dpa sagte er vor wenigen Monaten in einem Gespräch: "Man sollte Trump mit Respekt begegnen und das ernst nehmen, was er sagt und mit ihm in der Substanz Verhandlungen führen." Trump sei "nicht der Mann, der große Verträge schließt - er hätte gerne einen Deal." Also müsse man ihm etwas anbieten, was ihm erlaube, "innenpolitisch über die Hügel und Berge zu kommen".

Wie geht es jetzt weiter?

Präsident Trump hat einen nationalen Notstand ausgerufen. Als Grund nennt die US-Regierung wirtschaftliche und sicherheitspolitische Risiken angesichts der Handelsdefizite mit anderen Ländern.

"Das ist keine Verhandlung, das ist ein nationaler Notstand", entgegnete ein Trump-Berater auf die Frage, ob die betroffenen Länder die Zölle noch verhindern oder mindern könnten. Er machte klar, dass andere Länder nicht einfach niedrigere Zölle auf US-Importe ankündigen könnten, um Zollerleichterungen seitens der USA zu erreichen. Als Grund nannte er die anderen Handelshemmnisse, welche die USA benachteiligen würden.

Das Weiße Haus teilt dazu mit: "Die Zölle bleiben in Kraft, bis Präsident Trump feststellt, dass die durch das Handelsdefizit und die zugrunde liegende ungleiche Behandlung verursachte Bedrohung beseitigt, gelöst oder gemindert wurde."

Gisela Former, NDR, tagesschau, 02.04.2025 23:31 Uhr

Dieses Thema im Programm: Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 02. April 2025 um 23:15 Uhr.