
Spannungen in der Taiwanstraße China setzt Großmanöver rund um Taiwan fort
China trainiert seine Truppen regelmäßig für den Einsatz gegen das demokratische Taiwan. Am zweiten Tag der jüngsten Militärübung gibt die Armee dem Manöver einen Namen - dahinter könnte sich ein wichtiger Hinweis verbergen.
China setzt seine großangelegte Militärübung rund um die benachbarte Inselrepublik Taiwan fort. Wie die chinesische Volksbefreiungsarmee mitteilte, übten die Einheiten im zentralen und südlichen Teil der Taiwanstraße, der Meerenge zwischen China und Taiwan.
Anlass sei unter anderem, präzise Angriffe auf wichtige Ziele und gemeinsame Blockaden zu trainieren, erklärte der Oberst des chinesischen Ostkommandos, Shi Yi, laut Mitteilung. "Die Übungen konzentrieren sich auf Identifizierung und Überprüfung, Warnung und Vertreibung sowie Abfangen und Festhalten, um die Fähigkeiten der Truppen zur Gebietsregulierung und -kontrolle, zur gemeinsamen Blockade und Kontrolle sowie zu Präzisionsschlägen auf wichtige Ziele zu testen."
Hinweis auf weiteres Manöver vor Taiwan
Anders als am Vortag gab die Armee der Übung einen Namen und betitelte den Einsatz "Meerengen-Donner-2025A". Die Namensgebung dürfte signalisieren, dass in diesem Jahr eine weitere Übung folgt. Im vergangenen Jahr trainierte die Volksbefreiungsarmee im Mai unter dem Titel "Gemeinsames Schwert-2024A" um Taiwan und lancierte später im Oktober die Übung "Gemeinsames Schwert-2024B".
Am Dienstag hatte Peking bereits mitgeteilt, dass Luftwaffe, Marine und die Raketeneinheit rund um Taiwan zu üben begonnen hätten. Ein hochrangiger Vertreter der taiwanischen Sicherheitsbehörden sagte laut der Nachrichtenagentur Reuters, dass sich am folgenden Morgen mehr als zehn chinesische Kriegsschiffe in Taiwans "Reaktionszone" befunden hätten und dass die chinesische Küstenwache beteiligt gewesen sei.
In den vergangenen 24 Stunden seien 76 chinesische Militärflugzeuge und 15 Kriegsschiffe gezählt worden - darunter der Flugzeugträger "Shangdong", teilte das taiwanische Verteidigungsministerium mit.
Intensivierte Drohung
Damit intensiviert Peking erneut das Drohszenario gegenüber der Inselrepublik mit mehr als 23 Millionen Einwohnern. China beansprucht Taiwan als eigenen Landesteil und will sich Taiwan einverleiben - und droht regelmäßig mit dem Einsatz des Militärs, sollte dies nicht auf friedlichem Wege funktionieren.
Taiwans Präsident Lai Ching-te sagte, eine formale Unabhängigkeit nicht erklären zu wollen, da der demokratisch regierte Inselstaat schon ein unabhängiges Land sei. China hatte Lai am Dienstag als "Parasit" bezeichnet. Die Übung nun dient laut Chinas Außenamtssprecher Guo Jiakun als "Warnung und Abschreckung".
Lai und Taiwans Außenamt verurteilten das Manöver, ebenso die USA, Taiwans wichtigster Unterstützer und Waffenlieferant. "Chinas aggressive militärische Aktivitäten und Rhetorik gegenüber Taiwan verschärfen einmal mehr die Spannungen und gefährden die Sicherheit in der Region", teilte das US-Außenministerium mit. Auch Japan und die Europäische Union äußerten sich besorgt.