Ein Fahrzeugkonvoi transportiert die Leichen der vier von der Hamas übergebenen israelischen Geiseln.

Lage in Nahost Hamas übergibt vier tote Geiseln an Israel

Stand: 27.02.2025 09:06 Uhr

Die Hamas hat die Leichen von vier israelischen Geiseln im Gazastreifen an Israel übergeben - diesmal eine Inszenierung aus. Inzwischen steht die Identität der Toten fest. Israel hat begonnen, mehr als 600 palästinensische Häftlinge freizulassen.

Die Terrororganisation Hamas im Gazastreifen hat die Leichen von vier getöteten israelischen Geiseln an das Rote Kreuz ausgehändigt. Die Leichen sind an Israel übergeben worden, wie das Büro des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu bestätigte. Israelischen Angaben zufolge wurden die Särge mithilfe ägyptischer Vermittler über einen israelischen Grenzübergang gebracht.

Tote identifiziert

Inzwischen sind die Toten Identifiziert worden, das teilte der israelische Präsident Isaac Herzog mit: "Es schmerzt uns zutiefst, die bittere Nachricht von der Identifizierung von Ohad Yahalomi, Tsachi Idan, Itzik Elgarat und Shlomo Mantzur zu erhalten, deren Leichen über Nacht zurückgebracht wurden", schrieb Herzog auf X. Zuvor hatte bereits der Kibbuz Nir Oz den Tod von Jahalomi und Elgarat bekannt gegeben.

Medienberichten und Angehörigen zufolge sollen die Männer zwischen 50 und 86 Jahre alt sein. Drei von ihnen waren am 7. Oktober 2023 aus zwei jüdischen Siedlungen nahe der Grenze zum Gazastreifen entführt worden. Der vierte Mann wurde an jenem Tag beim Überfall der Hamas und anderer islamistischer Terroristen auf den Süden Israels getötet, seine Leiche nach Gaza verschleppt.

Im Gegenzug Palästinenser freigelassen

Etwa zeitgleich mit der Übergabe der Leichen verließ ein Konvoi des Roten Kreuzes mit Dutzenden von freigelassenen palästinensischen Gefangenen das israelische Militärgefängnis Ofer. In der Stadt Beitunia versammelten sich jubelnde Angehörige und Unterstützer der palästinensischen Gefangenen, um einen Blick auf den Bus zu werfen. Im Rahmen des Abkommens sollen noch rund 600 palästinensische Häftlinge aus israelischen Gefängnissen freigelassen werden - darunter auch Dutzende Inhaftierte, die wegen schwerer Vergehen zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt waren.

Freigelassene palästinensische Gefangene werden bei ihrer Ankunft im Gazastreifen begrüßt.

Freigelassene palästinensische Gefangene werden bei ihrer Ankunft im Gazastreifen jubelnd begrüßt.

Die Häftlinge - darunter 50 mit lebenslangen Haftstrafen - hätten ursprünglich schon am Samstag vergangener Woche im Austausch für sechs israelische Geiseln freikommen sollen. Aus Empörung und Wut über die entwürdigenden Hamas-Zeremonien bei früheren Übergaben von lebenden und toten Geiseln setzte Israels Regierung die Haftentlassungen vorerst aus. Die Hamas hatte die Verzögerung eine "ernste Verletzung" des Waffenruheabkommens genannt.

Diesmal keine Inszenierung bei der Übergabe

Wie von der israelischen Regierung gefordert, wurde die Übergabe der Leichen diesmal nicht als Spektakel mit bewaffneten Hamas-Kämpfern und lauter Musik bei der Aushändigung der Särge inszeniert. Laut dem Büro von Ministerpräsident Netanjahu war darüber vorab Einigung mit den Islamisten erzielt worden. Seine Regierung hatte dies zur Voraussetzung für die Freilassung weiterer palästinensischer Häftlinge aus israelischen Gefängnissen gemacht.

Gespräche über zweite Phase der Waffenruhe?

Sollte die Identität der nun ausgehändigten Leichen bestätigt werden, wäre die in der ersten Phase des Waffenruhe-Abkommens zwischen Israel und der Hamas vorgesehene Übergabe von 33 Geiseln aus dem Gazastreifen abgeschlossen. Im Gegenzug sollten 1.904 palästinensische Häftlinge freikommen.

Die Hamas erklärte sich unterdessen bereit, Gespräche über eine zweite Phase der Waffenruhe im Gazastreifen aufzunehmen. Sie selbst halte sich an das Abkommen, teilte die Palästinenserorganisation mit. Nur bei einer Einhaltung der Waffenruhe könnten die verbliebenen Geiseln freikommen. Die erste Phase der Waffenruhe trat am 19. Januar in Kraft und endet am Samstag. Noch immer sind rund 60 Geiseln in der Gewalt der Hamas - wie viele noch am Leben sind, ist nicht öffentlich bekannt.

Dieses Thema im Programm: Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. Februar 2025 um 08:00 Uhr.