
Rubio auf NATO-Treffen US-Minister erklärt Dänemark, was die Grönländer wollen
Auch auf dem NATO-Treffen macht US-Außenminister Rubio Grönland zum Thema - und sagt, die Bewohner wollten nicht zu Dänemark gehören. Zuvor war die dänische Ministerpräsidentin bei einem Besuch auf der Insel deutlich geworden.
Im Konflikt über den Plan von US-Präsident Donald Trump, die Kontrolle über Grönland zu übernehmen, hat US-Außenminister Marco Rubio nachgelegt. Die dänische Regierung solle sich "auf die Tatsache konzentrieren, dass die Grönländer nicht ein Teil Dänemarks sein wollen", sagte er bei einem Treffen der NATO-Außenminister in Brüssel. Diese Idee sei den Grönländern nicht von den USA eingepflanzt worden. "Sie reden schon lange darüber", sagte er. "Wann immer sie diese Entscheidung treffen, werden sie sie treffen."
Trump hatte zuvor - unter anderem bei seiner ersten Rede vor dem Kongress in seiner zweiten Amtszeit - nicht den Eindruck erweckt, dass es ihm auf die Zustimmung der Bewohner der Insel ankomme. Auf die eine oder andere Weise werde man Grönland bekommen, erklärte er Anfang März und schloss auch militärische Mittel nicht aus.
Rubio bemühte sich jetzt, Äußerungen von Trump zu relativieren. Der US-Präsident habe gemeint, dass er nichts ausschließe, wenn Grönland von einer ausländischen Macht wie China oder Russland angegriffen werde. Aber das spiele keine Rolle, denn die Grönländer würden eine Entscheidung treffen, sagte Rubio. "Und wenn sie diese Entscheidung treffen, dann wären die Vereinigten Staaten eventuell bereit, einzuspringen und zu sagen: Okay, wir können eine Partnerschaft mit euch aufbauen."
"Inakzeptabel und respektlos"
Rubios dänischer Amtskollege Lars Løkke Rasmussen, der ebenfalls an dem Treffen in Brüssel teilnahm, schrieb auf der Plattform X, er habe am Donnerstag mit Rubio gesprochen. Er habe ihm "ehrlich und direkt" klargemacht, dass Äußerungen über eine Annexion des halbautonomen Territoriums Dänemarks nicht nur inakzeptabel und respektlos seien, sondern auch einem Verstoß gegen das Völkerrecht gleichkämen. Die dänische Regierung verweist immer wieder darauf, dass die Bürger der Insel selbst über ihre Zukunft und ihre mögliche Unabhängigkeit entscheiden könnten.
Grönland ist weitgehend autonom, gehört aber offiziell zum Königreich Dänemark. Auf der Insel gibt es Bestrebungen, die Autonomie weiter auszubauen - auch bis zu einer möglichen Unabhängigkeit. Das Recht auf Unabhängigkeit erkannte Dänemark mit dem sogenannten Grönland-Selbstverwaltungsgesetz von 2009 an. Besitzansprüche der USA hatte die neue Regierung der Insel erst kürzlich zurückgewiesen.
Frederiksen mit Botschaft an USA
Am Vorabend hatte Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen den USA ebenfalls eine Absage erteilt. "Sie können nicht ein anderes Land annektieren", sagte sie an die US-Regierung gerichtet. "Auch nicht mit einem Argument internationaler Sicherheit." Es gehe nicht nur um Grönland oder Dänemark, sondern um eine über Generationen aufgebaute gemeinsame Weltordnung über den Atlantik hinweg.
"Nationale Grenzen, Souveränität der Staaten, die Integrität von Territorien: Das ist im Völkerrecht verwurzelt", sagte Frederiksen. Das seien grundlegende Prinzipien. "Sie wurden nach dem Zweiten Weltkrieg geschaffen, damit kleine Länder keine Angst vor großen Ländern haben müssen."
Bereits kurz nach ihrer Ankunft war Frederiksen deutlich geworden. "Die USA werden Grönland nicht übernehmen. Grönland gehört den Grönländern", sagte sie und sicherte den Bewohnern der Insel die Unterstützung Dänemarks zu.
Auch Grönlands Regierungschef weist US-Ansprüche zurück
Schon vor Tagen hatte auch der neu gewählte Regierungschef Grönlands, Jens-Frederik Nielsen, Trumps Besitzansprüche zurückgewiesen. "Lassen Sie mich das klar sagen: Die USA bekommen Grönland nicht", hatte Nielsen auf Facebook geschrieben. "Wir gehören niemand anderem. Wir bestimmen selbst über unsere Zukunft." Auch Nielsens Vorgänger Múte B. Egede hatte sich verärgert über Trumps Äußerungen gezeigt und verbündete Staaten um Solidarität gebeten.
Trump hat in den vergangenen Monaten immer wieder erklärt, die Kontrolle über Grönland übernehmen zu wollen. Er begründete seine Forderungen entweder mit der nationalen oder der internationalen Sicherheit.