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Neue US-Zölle ++ Trump: Zollnachlass für TikTok-Verkauf möglich ++

Stand: 04.04.2025 02:04 Uhr

US-Präsident Trump stellt China für eine Zustimmung zum TikTok-Verkauf einen Zollnachlass in Aussicht. Kanada will als Vergeltungsmaßnahme auf einige aus den USA importierte Fahrzeuge Zölle von 25 Prozent erheben.

Die wichtigsten Entwicklungen:

US-Präsident Donald Trump stellt China einen Zollnachlass in Aussicht, falls die Regierung in Peking grünes Licht für den Verkauf des Kurzvideodienstes TikTok gibt. Er würde ein derartiges Geschäft in Betracht ziehen, sagte der Präsident vor Journalisten an Bord der Air Force One. Nach seinen Worten ist ein Verkauf von TikTok in greifbare Nähe gerückt, mehrere Investoren seien daran beteiligt.

Die USA haben im Rahmen von neuen Zöllen Aufschläge von inzwischen insgesamt 54 Prozent für Importe aus China vorgesehen. Eine Stellungnahme von TikTok liegt noch nicht vor.

Der geschäftsführenden Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF) Kristalina Georgieva zufolge stellen die umfassenden US-Zölle ein erhebliches Risiko für die Weltwirtschaft dar. "Wir sind noch dabei, die makroökonomischen Auswirkungen der angekündigten Zollmaßnahmen zu bewerten, aber sie stellen eindeutig ein erhebliches Risiko für die globalen Aussichten in einer Zeit schleppenden Wachstums dar", sagte Georgieva in ihrer Stellungnahme zu den Risiken. Es sei wichtig, Schritte zu vermeiden, die der Weltwirtschaft weiter schaden könnten, so die IWF-Chefin.

Sie appellierte an die USA und ihre Handelspartner, konstruktiv am Abbau der Spannungen zu arbeiten. Der IWF werde seine Einschätzung der angekündigten Zölle bei der Veröffentlichung einer Aktualisierung seines Weltwirtschaftsausblicks während der Tagung vom 21. bis 26. April in Washington, D.C., bekannt geben, bei der die Mitglieder und Anteilseigner von IWF und Weltbank zusammenkommen, fügte Georgieva hinzu.

Die US-Notenbank (Fed) kann sich nach Darstellung von Fed-Gouverneurin Lisa Cook die nötige Zeit nehmen, um vor einer neuen Zinsentscheidung die Lage zu bewerten. "Im Moment können wir uns Geduld leisten, müssen jedoch aufmerksam bleiben", sagt Cook in einer Rede an der University of Pittsburgh. Die Geldpolitik sei "gut positioniert", um mit kommenden Herausforderungen umzugehen.

US-Präsident Donald Trump hat an Bord der Air Force One erklärt, er habe die Talfahrt der Märkte nach seiner Zoll-Entscheidung erwartet. Der Schritt sei jedoch notwendig gewesen, um die amerikanische Wirtschaft zu heilen, die er als kranken Patienten bezeichnete. Trump sagte laut Nachrichtenagentur Reuters, er sei offen für Zollverhandlungen, falls andere Länder etwas "Phänomenales" anbieten würden.

Die neuen Zölle von US-Präsident Donald Trump drohen Maßnahmen auszuhebeln, mit denen die hohen Eierpreise in den USA gedrückt werden sollten. Landwirtschaftsministerin Brooke Rollins räumte im Sender Fox News ein, die Zölle könnten auch auf Eier-Importe angewandt werden. Dabei haben die USA die Einfuhren von Eiern aus der Türkei, Brasilien und Südkorea erhöht, um die Versorgung angesichts der Vogelgrippe zu verbessern.

Was bedeuten die Zölle für deutsche Arbeitnehmer, Verbraucher und Sparer? Wie reagiert die Industrie Moderatorin Catherine Vogel analysiert unter anderem mit Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, die Folgen und Herausforderungen.

Brennpunkt: Handelskrieg mit den USA?

Brennpunkt, 03.04.2025 20:15 Uhr

Die US-Wettbewerbsbehörde FTC hat angekündigt, die Preisgestaltung von US-Unternehmen genau zu beobachten, um sicherzustellen, dass diese die Importzölle der Trump-Regierung nicht als Vorwand für Preiserhöhungen nutzen.

"Während wir uns an die neue Wirtschaftsordnung anpassen, wird die FTC genau beobachten, ob amerikanische Unternehmen einen starken Preiswettbewerb führen", erklärte FTC-Chef Andrew Ferguson. Die "notwendigen Zölle" sollten nicht als Freibrief für Preisabsprachen oder andere rechtswidrige Verhaltensweisen interpretiert werden.

Aktien von US-Vermögensverwaltern haben im Zuge der verkündeten US-Zollmaßnahmen an wert verloren. Papiere von Apollo fallen um 10,7 Prozent, Blackstone um 8,2 Prozent, BlackRock um sechs Prozent und Charles Schwab um drei Prozent.

Die Angst vor einem Handelskrieg, wirtschaftliche Unsicherheit und Inflationsdruck durch Zölle könnten Experten zufolge einen längeren Abschwung an den Märkten verursachen, was die Bewertung der verwalteten Vermögen drücken dürfte. Das wiederum könnte die Gebühren der Verwalter belasten.

03.04.2025 • 18:37 Uhr

Dax schließt im Minus

Die angekündigten Zollpläne der amerikanischen Regierung haben den deutschen Leitindex stark unter Druck gesetzt. Der DAX rutschte bis Handelsschluss um 3,0 Prozent ab und schloss bei 21.717 Punkten - dem tiefsten Stand seit Anfang Februar.

Die Welthandelsorganisation (WTO) fürchtet wegen der geplanten und bereits eingeführten US-Zölle einen Rückgang im weltweiten Warenhandel um ein Prozent. Das entspreche einer Korrektur der aktuellsten Prognose um vier Prozentpunkte nach unten, teilte WTO-Chefin Ngozi Okonjo-Iweala mit.

Sie äußerte sich tief besorgt. Die Situation könnte mit möglichen Vergeltungsmaßnahmen zu einem Zollkrieg eskalieren, der den Handel dann weiter beeinträchtige.  Sie erinnerte daran, dass der Großteil des Welthandels weiter nach den ausgehandelten WTO-Regeln stattfinde. Dieser Handel mache rund 74 Prozent aus, nach 80 Prozent Anfang des Jahres - also vor dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump. 

Kanada hat Vergeltungsmaßnahmen bekannt gegeben. Alle aus den USA importierten Fahrzeuge, die nicht unter das nordamerikanische Handelsabkommen USMCA fallen, würden mit Zöllen von 25 Prozent belegt, teilte Ministerpräsident Mark Carney mit. Autoteile seien nicht betroffen. Die Einnahmen sollen direkt an die Arbeiter in der Autobranche und die Firmen dort gehen.

Carney sprach von etwa acht Milliarden kanadischen Dollar (etwa 5,1 Milliarden Euro). Auf etwaige neue Zölle werde man energisch reagieren, warnte er. Die US-Regierung werde vermutlich nicht den Kurs ändern, bis die Gegenzölle so schmerzhaft würden, dass sie sie nicht ignorieren könne. Gegenwärtig gebe es keine Pläne, die Maßnahmen mit anderen Staaten abzusprechen, so Carney.

US-Handelsminister Howard Lutnick schließt aus, dass Trump von den Zöllen abrückt. Trump werde die Ankündigungen des Vortages nicht zurücknehmen, sagte Lutnick dem Sender CNN. Trump werde auch nur verhandeln, wenn andere Länder ihre Zölle und andere Handelshemmnisse abbauten, hieß es.

03.04.2025 • 17:50 Uhr

Trump: "Der Patient lebt"

US-Präsident Donald Trump hat seine weltweiten Zölle mit einer riskanten, aber notwendigen medizinischen Operation für die heimische Wirtschaft verglichen. "Der Patient lebt und erholt sich", schrieb Trump in Großbuchstaben auf seiner Onlineplattform Truth Social. Seine Prognose laute: Der Patient werde künftig "stärker, größer, besser und widerstandsfähiger" sein.

Trumps Sprecherin Karoline Leavitt gab angesichts der Nervosität an der Wall Street erneut die Parole aus "Vertraut Präsident Trump". Der Republikaner setze auf eine "bewährte Wirtschaftsformel", sagte sie dem Sender CNN.

03.04.2025 • 17:44 Uhr

Brennpunkt um 20:15

Zu den von US-Präsident Trump verkündeten Zöllen senden Das Erste und tagesschau24 heute im Anschluss an die 20-Uhr-tagesschau-Sendung einen Brennpunkt.

Die neuen US-Zölle werden laut führenden EZB-Währungshütern das Wachstum dämpfen. Aus Sicht von EZB-Vizechef Luis de Guindos muss die Europäische Zentralbank in diesem von erhöhter Unsicherheit geprägten Umfeld extrem umsichtig agieren, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters. Eine Eskalation der Spannungen im Handel könne zu einer Abwertung des Euro führen und die Importkosten steigen lassen.

Am Finanzmarkt haben Reuters zufolge nach der Zollankündigung die Spekulationen auf eine erneute Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) deutlich zugenommen: Inzwischen werde die Wahrscheinlichkeit eines solchen Schritts auf der kommenden Zinssitzung am 17. April mit fast 90 Prozent taxiert. Vor der Zoll-Ankündigung waren es demnach noch rund 80 Prozent.

03.04.2025 • 17:09 Uhr

US-Börse deutlich im Minus

Die US-Börse hat mit deutlichen Kursabschlägen auf die Zollankündigungen von Präsident Donald Trump reagiert. Die großen US-Indizes wie der Dow Jones, der S&P500 und der Nasdaq lagen an der New Yorker Wall Street nach Handelsbeginn im Minus. Der Dow Jones und der S&P500 gaben um mehr als drei Prozent nach, der Technologieindex Nasdaq sogar um 4,6 Prozent.

Der französische Präsident Emmanuel Macron hat die US-Zölle scharf kritisiert. Sie seien "brutal und unbegründet" und "ein Schock für den internationalen Handel". Macron rechnet eigenen Angaben damit, dass die US-Wirtschaft infolge der Zollpolitik "ärmer und schwächer" werden wird.

Die EU werde "in organisierter und geeinter Weise" auf die US-Zölle reagieren. Die Antwort werde härter ausfallen als bislang getroffene Maßnahmen, warnte Macron. Zudem mahnte er, die westliche Wirtschaft müsse als Reaktion die eigene Produktivität steigern.

US-Handelsminister Howard Lutnick hat in Bezug auf die von seiner Regierung geplanten globalen Zölle Gesprächsbereitschaft signalisiert. Man spreche mit allen wichtigen Handelspartnern weltweit über Möglichkeiten, die neuen Zölle von Präsident Donald Trump zu senken, sagte Lutnick dem Fernsehsender CNBC. Im Zentrum dieser Gespräche stehe immer die Frage: "Werden sie uns fair behandeln?" Lutnick forderte andere Staaten auf, ihre Regelungen zu ändern, um so mehr Importe aus den USA zuzulassen.

Die Industriegruppe National Interprofessional Office of Cognac (BNIC) fordert, dass Wein und Spirituosen von den US-Zöllen ausgenommen werden sollten. Die EU und die USA müssten im Handelsstreit deeskalieren, mahnte BNIC-Präsident Florent Morillon und warnte vor dem Verlust von Marktanteilen. Die US-Zölle drohten für die Wirtschaft zur "kalten Dusche" zu werden.

Die Cognac-Industrie steht bereits unter Druck, da China im Oktober im Zuge eines Streits mit der Europäischen Union über Elektrofahrzeuge vorübergehend Zölle auf Lieferungen der Spirituose verhängt hat. China und die Vereinigten Staaten sind die wichtigsten Exportmärkte für die Cognac-Industrie.

Die Schweizer Regierung hat die US-Zölle als unverständlichen Schritt kritisiert. Gegenmaßnahmen seien aber vorerst nicht geplant, hieß es weiter. "Eine Zunahme der handelspolitischen Spannungen ist nicht im Interesse der Schweiz", hieß es. Gegenmaßnahmen gegen US-Zollerhöhungen wären mit Kosten für die Schweizer Volkswirtschaft verbunden, namentlich durch eine Verteuerung von Importen aus den USA.

Die USA wollen künftig Zölle von 31 Prozent auf Importe aus der Schweiz erheben. Die Schweizer Regierung verwies darauf, dass die Schweiz alle Industriezölle 2024 abgeschafft habe und 99 Prozent aller Waren aus den USA zollfrei in die Schweiz importiert werden könnten.

Neben Russland sind auch Belarus, Kuba und Nordkorea von den Zollplänen der USA ausgenommen.

Mit Blick auf Russland begründete US-Finanzminister Scott Bessent das im Interview mit dem Sender Fox News damit, dass die USA mit Russland und dessen engen Verbündeten Belarus keinen Handel treibe. Für diese Länder seien Sanktionen verhängt worden. Der Warenhandel zwischen Russland und den USA betrug im vergangenen Jahr nach US-Angaben 3,5 Milliarden Dollar. Im Jahr 2021, dem Jahr vor Beginn des russischen Krieges gegen die Ukraine, waren es noch 36 Milliarden Dollar.

Die von den USA geplanten globalen Zölle stoßen bei Clemens Fuest, Chef des Münchner Ifo-Instituts, auf scharfe Kritik. "Wenn die USA bei den angekündigten Zöllen bleiben, ist das der größte Angriff auf den Freihandel seit dem Zweiten Weltkrieg", so Fuest. Schon im laufenden Jahr könnten die Zölle das deutsche Bruttoinlandsprodukt um 0,3 Prozent schmälern und das Wirtschaftswachstum damit "unter die Nulllinie drücken".

Der ifo-Chef erwartet aber auch negative Auswirkungen auf den US-Markt. Denn "die Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft misst sich an ihrer Produktivität, nicht am Außenhandelssaldo", mahnte Fuest. Die Produktivität werde sinken, weil die Zölle die internationale Arbeitsteilung beeinträchtigten. "Wenn Trump Investitionen in die USA locken und gleichzeitig das Handelsdefizit reduzieren möchte, müssen die Amerikaner selbst mehr sparen. Das erfordert schmerzhafte Anpassungen in Form von Konsumverzicht", sagte Fuest weiter.

Der Wirtschaftsrat der CDU plädiert angesichts der angekündigten US-Zölle auf den schnellen Abschluss neuer Freihandelsabkommen. Es sei nötig, "neue Handelspartnerschaften abzuschließen sowie bestehende Partnerschaften zu vertiefen", teilte das Gremium den Zeitungen der Mediengruppe Bayern mit. Europa müsse sich "als starke Stimme des freien Handels etablieren". Der Wirtschaftsrat sprach sich dafür aus, Verhandlungen mit Indien sowie den ASEAN-Staaten über Handelsabkommen zeitnah abzuschließen. Aber auch mit den USA solle gesprochen werden, ein Freihandelsabkommen mit den USA bleibe "prioritäres Ziel".

Auch das SPD-Wirtschaftsforum forderte einen schnellen Abschluss von Freihandelsabkommen. "Nicht nur der EU-Binnenmarkt muss vertieft werden, sondern auch die Beziehungen zu anderen Freihandelspartnern, forderte Verbandspräsidentin Ines Zenke und führte die beiden Freihandelsabkommen CETA mit Kanada und Mercosur mit Südamerika an. Diese müssten nun "endlich schnell ratifiziert werden". 

Die Textilindustrie in Bangladesch hat die Verhängung neuer US-Zölle als "massiven Schlag" für die Branche gewertet. Für Einfuhren aus Bangladesch wollen die USA künftig Zölle von 37 Prozent verhängen. Bisher waren es Zölle von 16 Prozent auf Baumwolle und 32 Prozent auf Polyesterprodukte. 

Bangladesch ist nach China der zweitgrößte Bekleidungsproduzent der Welt, die Textilbranche steht für 80 Prozent der Exporte des südasiatischen Landes. In die USA liefert das Land jährlich Bekleidung im Wert von 8,4 Milliarden Dollar, wie der nationale Handelsverband Bangladesh Garment Manufacturers and Exporters Association mitteilte. Das sind rund 20 Prozent der gesamten Exporte von Konfektionskleidung aus Bangladesch. 

Auf der geteilten irischen Insel drohen die US-Zölle zum komplexen Problem zu werden. Für Exporte aus Nordirland, das zum Vereinigten Königreich gehört, werden in den USA die niedrigeren Zehn-Prozent-Zölle gelten, für Güter aus dem EU-Mitglied Irland werden 20 Prozent fällig.

"Um ehrlich zu sein, wird derzeit intensiv daran gearbeitet, dieses Thema im Detail zu analysieren, sagte der irische Vize-Regierungschef Simon Harris dem Sender RTÉ. Kompliziert wird es laut Harris vor allem bei Produkten mit grenzüberschreitender Produktion, etwa bei Milchprodukten. Waren, die aus dem Norden exportiert würden, könnten wegen grenzüberschreitender Produktion als aus dem Süden stammend gelistet werden.

Ähnlichen Fragen mussten sich beide Länder bereits beim Brexit des Vereinigten Königreichs mit dem Abschied aus dem EU-Binnenmarkt und der Zollunion stellen.

03.04.2025 • 14:01 Uhr

CDA drängt auf Digitalsteuer

Der Chef des Arbeitnehmer-Flügels der Union, Dennis Radtke, pocht infolge der von US-Präsident Donald Trump angekündigten Zölle auf Maßnahmen gegen US-Techkonzerne. "Deutschland und Europa müssen jetzt eine Digitalsteuer einführen. Das muss eine direkte Antwort auf Trumps Zoll-Politik sein", forderte der CDA-Vorsitzende. Deutschland solle dabei eine Vorreiter-Rolle einnehmen und der US-Regierung zeigen, dass man sich nicht alles gefallen lasse.

Laut Radtke machten US-Techunternehmen in Deutschland und Europa Milliardengewinne, ohne einer fairen Besteuerung zu unterliegen. Die globalen Gewinnmargen von Google und anderen US-IT-Konzernen lägen bei 20 bis 30 Prozent, in Deutschland würden häufig aber nur ein bis fünf Prozent der Umsätze als Gewinn versteuert.

Experten gehen davon aus, dass Bürgerinnen und Bürger die US-Zölle auf bestimmte Spirituosen in Form steigender Preise zu spüren bekommen werden. Darüber hinaus dürften einige Spirituosen-Marken vom US-Markt verschwinden und auf beiden Seiten des Atlantiks Arbeitsplätze verloren gehen, erklärten Branchenverbände und Analysten der Getränkeindustrie. Experten der Großbank UBS schätzten, dass die großen börsennotierten Spirituosenhersteller ihre Preise um zwei bis fünf Prozent erhöhen müssten, um die Zölle zu decken. Alternativ könnten sie die Kosten selbst tragen zum Preis von Gewinneinbußen.

Die US-Zölle treffen alle Spirituosen, vom beliebten Negroni-Cocktail bis hin zu Guinness Stout,. Die Einfuhrgebühren treffen außerdem mit 25 Prozent alle Bierimporte. Weitere Belastungen ergeben sich bei Bierdosen, die von Aluminiumzöllen betroffen sind.

Das drastische US-Zollpaket setzt die Aktien europäischer Schifffahrts- und Logistikkonzerne unter Druck. Papiere der Reedereien Maersk und Hapag-Lloyd rutschen um zehn und 7,8 Prozent ab. Die Logistikkonzerne DSV, Kuehne und Nagel sowie Deutsche Post verzeichnen Abschläge zwischen 4,5 und acht Prozent.

Rund ein Viertel aller Seefrachtcontainer würden in die USA oder aus der USA transportiert, sagte Gan Marco Werro, Analyst der Zürcher Kantonalbank. Andy Chu, Analyst der Deutschen Bank, rechnet infolge der US-Zölle damit, dass "sich die Frachtströme geografisch verlagern, und diese Verlagerung dürfte zu komplexeren Lieferketten für die Kunden führen."

Die Ankündigung der US-Zölle bedeute einen "absolut schlechten Tag" für die Weltwirtschaft, warnte Bundesaußenministerin Annalena Baerbock. Für Europa sei dies kein "Befreiungstag", wie ihn US-Präsident Donald Trump für die Vereinigten Staaten angekündigt hatte. Für die Verbraucherinnen und Verbraucher in den USA sei es eher ein "Tag der Inflation". Europa sei an einem Handelskrieg nicht interessiert, werde seinen Binnenmarkt aber schützen, falls dies notwendig sei, betonte die Grünen-Politikerin. Für die Europäer sei es ein Tag der Einheit. Europa habe Werkzeuge für Gegenmaßnahmen entwickelt, "wenn andere unseren gemeinsamen Binnenmarkt gefährden wollen". Diese Werkzeuge werde Europa "wenn nötig" nutzen. 

Die ukrainische Regierung will versuchen, mit den USA bessere Zollbedingungen für das eigene Land auszuhandeln, wie die ukrainische Wirtschaftsministerin Julia Swyrydenko beim Kurznachrichtendienst X ankündigte. Sie verwies auf die "ziemlich niedrigen" Zölle, die von der Ukraine auf US-Importe erhoben würden. Zudem seien im vergangenen Jahr mehr Güter aus den USA in die Ukraine importiert worden als im Gegenzug dorthin verkauft worden seien. Die von den USA angekündigten Zölle für die Ukraine in Höhe von zehn Prozent würden sich überwiegend auf kleine ukrainische Produzenten auswirken, warnte Swyrydenko.

Das Ausmaß der drohenden Auswirkungen der US-Zölle auf die deutsche Wirtschaft ist aus Sicht der Vorsitzenden der Linkspartei, Ines Schwerdtner, auch Versäumnissen der deutschen Politik geschuldet. "Statt die Wirtschaft unabhängiger vom Export zu machen und die Nachfrage im eigenen Land zu stärken, hat man weiter auf alte Rezepte gesetzt. Jetzt rächt sich das,", sagte Schwerdtner der Nachrichtenagentur dpa.

Schwerdtner forderte ein Umdenken in der Wirtschaftspolitik. Das "alte Lied von mehr Wettbewerbsfähigkeit" passe nicht zur Weltlage. Die Antwort sei nicht mehr Konkurrenz, sondern mehr Zusammenarbeit. "Durch mehr Fairness und einem Handel auf Augenhöhe können wir Wohlstand schaffen - in Europa, aber auch im globalen Süden", so Schwerdtner.

Spanien will nach den neuen US-Zöllen die heimische Wirtschaft mit einem Hilfspaket im Volumen von 14,1 Milliarden Euro unterstützen. Das kündigte der spanische Regierungschef Pedro Sánchez an. Mit 7,4 Milliarden Euro sollen demnach neue Investitionen unterstützt werden. 400 Millionen Euro seien zur Förderung von E-Autos vorgesehen.

Sánchez forderte zudem, dass auch die EU Hilfen bereitstellen müsse, eventuell finanziert über künftige Gegenzölle. "Die Rückkehr der USA zum Protektionismus des 19. Jahrhunderts ist kein intelligenter Schachzug", betonte Spaniens Ministerpräsident. "Europa wurde bereits im Osten angegriffen durch Russland, nun kommen die Handelsangriffe aus dem Westen."

Die Mitgliedsstaaten der EU wollen am kommenden Mittwoch über Gegenmaßnahmen zu den US-Zöllen auf Stahl und Aluminium abstimmen, wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf einen EU-Vertreter berichtete. Der Vorschlag der Kommission wird angenommen, sofern er nicht von einer qualifizierten Mehrheit aus 15 Mitgliedstaaten, die 65 Prozent der EU-Bevölkerung repräsentieren, abgelehnt wird.

EU-Handelskommissar Maros Sefcovic will morgen mit seinen US-Kollegen über die angekündigten US-Zölle sprechen. Das kündigte Sefcovic beim Kurznachrichtendienst X an und betonte: "Wir werden ruhig, sorgfältig und einheitlich handeln, während wir unsere Reaktion ausarbeiten und gleichzeitig ausreichend Zeit für Gespräche einräumen. Aber wir werden nicht tatenlos zusehen, sollten wir nicht in der Lage sein, eine faire Einigung zu erzielen."

Der ehemalige NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg sieht in den angekündigten US-Zöllen den "schwerwiegendsten Rückschlag für einen offenen und freien Welthandel seit der Zwischenkriegszeit". Das werde "viele Länder und viele Arbeitsplätze treffen". Der heutige Finanzminister Norwegens warnte weiter: "Wir treten in eine neue Zeit mit einer völlig neuen Weltordnung in der Wirtschaft ein." Wie groß die Folgen der Zölle letztlich sein werden, lasse sich aber noch nicht abschätzen. Man müsse nun zunächst schauen, was die EU mache. Für Norwegen sei überaus wichtig, sich mit Brüssel abzustimmen, um zu verhindern, dass man außen vor bleibe, sollte die EU zum eigenen Schutz selbst die Zollmauern hochziehen.

Norwegen zählt nicht zur EU, ist als Mitglied des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) aber eng mit ihr verbunden.

Die Parteivorsitzende der Grünen, Franziska Brantner, fordert als Reaktion auf das Zollpaket der USA strengere Auflagen für US-Techkonzerne in der EU. "Trump versteht nur Stärke - und stark ist die EU, wenn der Binnenmarkt geschlossen zusammensteht", mahnte sie im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Daher müsse es nun darum gehen, den EU-Binnenmarkt weiter zu stärken, in neue Technologien zu investieren und Innovation zu ermöglichen.

Zudem müsse die EU starke eigene Maßnahmen ergreifen. "Wir müssen zusätzlich auf die Durchsetzung unseres Rechts im digitalen Raum als auch das Kartell- und Wettbewerbsrecht pochen, um großen US-Techkonzernen wie Google, Meta, Amazon oder Apple schärfere Auflagen zu machen", forderte Brantner.  Das könne von höheren Strafen bis zu strengeren Wettbewerbsauflagen reichen und müsse die konsequente Durchsetzung der europäische Gesetze Digital Markets Act und Digital Services Act bedeuten. Auch die Möglichkeit, eine Digitalsteuer einzuführen, müsse erwogen werden.

NATO-Generalsekretär Mark Rutte will die Zollentscheidungen von US-Präsident Donald Trump beim heutigen Gipfel der NATO-Staaten nicht thematisieren. Bei dem Treffen der Außenminister der Bündnisstaaten gehe es nicht um wirtschaftliche Dinge, betonte Rutte. Der Fokus liege auf der Abwehr von Bedrohungen durch Russland. Der Generalsekretär fügte hinzu, dass er die USA weiter als verlässlichen Bündnispartner sieht.

Für die europäischen Alliierten sind die Zölle auch deswegen relevant, weil schwerwiegende negative Konsequenzen für die wirtschaftliche Entwicklung erwartet werden. Sie könnten deswegen auch die von Trump geforderte Aufrüstung in Europa ausbremsen. Der norwegische Außenminister Espen Barth Eide mahnte:

Es ist wichtig zu verstehen, dass wir gemeinsam schneller und besser wachsen. Und dass wir wirtschaftliches Wachstum brauchen, wenn wir Ressourcen für eine stärkere Verteidigung aufbauen wollen. Protektionismus wird uns dabei nicht helfen.

Die von US-Präsident Donald Trump angekündigten Zölle werden die Wirtschaft der NATO-Mitgliedsstaaten beeinträchtigen, warnte der französische Außenminister Jean-Noel Barrot kurz nach seiner Ankunft zu einem NATO-Treffen in Brüssel. "Sie werden negative Auswirkungen auf die amerikanische Wirtschaft und auf die Wirtschaft der Mitglieder der Allianz insgesamt haben", betonte er.

Die angekündigten Zölle der USA setzen auch die Union und die SPD in den gemeinsamen Koalitionsgesprächen zusätzlich unter Druck. CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt betonte, mit den drastischen US-Zöllen würden die wirtschaftlichen Herausforderungen größer. "Das wird weltweit dafür sorgen, dass die Handelsbeziehungen unter Druck kommen", warnte er. Umso mehr müsse man darauf schauen, dass sich Deutschland und Europa wirtschaftlich stabil entwickeln könnten. Ziel müsse deshalb ein stabiles Wachstum sein.

Die CDU-Bundesvize Karin Prien sagte, angesichts des Handelskriegs, den man jetzt erlebe, sei für die Union die Frage der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft ganz vorn und von großer Bedeutung. In diesem Sinne führe man die laufenden Koalitionsgespräche.

Reaktion auf US-Zölle: Warnung vor Handelskrieg

Jannik Pentz, ARD Berlin, tagesschau, 03.04.2025 14:00 Uhr

Deutsche Handwerksverbände drängen nach der Zollankündigungen von US-Präsident Donald Trump auf Entlastungen für die heimische Wirtschaft. "Dieser Zollhammer führt die Welt zurück in die handelspolitische Steinzeit. Deutschland und Europa müssen jetzt schnellstmöglich eine Antwort darauf finden", forderte der Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), Holger Schwannecke. Union und SPD müssten bei ihren Koalitionsverhandlungen alles für die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands tun. Dabei seien "höhere Steuern und Abgaben das letzte, was die deutsche Wirtschaft in dieser Lage gebrauchen kann".

Der Außenwirtschaftschef der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), Volker Treier, sagte, die USA seien zwar Deutschlands wichtigster Handelspartner. Die Ausfuhren in die USA machten aber "weniger als zehn Prozent unserer Gesamtexporte" aus. Daher müsse Deutschland nun seine Handelsbeziehungen zu anderen Staaten ausbauen, etwa mit dem Mercosur-Abkommen mit südamerikanischen Staaten und einem Handelsabkommen mit Indien, mahnte Treier.

Der Schweizer Pharma- und Diagnostikkonzern Roche prüft zusätzliche Investitionen in die eigenen Standorte in den USA, um die Nachfrage nach seinen Medikamenten und medizinischen Tests weiterhin decken zu können, wie das Unternehmen selbst bekanntgab. Der Konzern beschäftigt in den USA eigenen Angaben zufolge mehr als 25.000 Mitarbeitende und betreibt dort vier Standorte für Forschung und Entwicklung, Produktion und Vertrieb im Pharmageschäft sowie sieben Standorte der Diagnostiksparte.

Medikamente sind nach Angaben des Verbands forschender Arzneimittelhersteller (VFA) vom neuen US-Zollpaket ausgenommen. Die Pharmabranche sei damit vorerst nicht von den pauschalen Zöllen von 20 Prozent auf Importe aus der EU betroffen.

03.04.2025 • 11:49 Uhr

Rätseln über US-Berechnungen

Wie genau die USA die Höhe ihrer Zölle berechnet hat, stellt Wirtschaftsexperten vor offene Fragen. "Wir wissen nicht, wie US-Präsident Donald Trump zu diesen Zahlen kommt", sagte Rolf Langhammer, Ökonom am Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW), der Nachrichtenagentur dpa und fügte hinzu: "Wir tappen noch im Dunkeln."

Trump versuche wohl sogenannte nichttarifäre Handelshemmnisse über Zolläquivalente zu quantifizieren, sagte Langhammer. Vor allem Gesundheits- und Konsumentenschutzregelungen seien dem US-Präsidenten ein Dorn im Auge. Als Beispiel nannte Langhammer hormonbehandeltes Rindfleisch, das aus den USA nicht in die EU eingeführt werden dürfe. Da klebe Trump dann einfach ein Preisschild dran. Zusätzlich ziehe der US-Präsident womöglich weitere Faktoren hinzu, etwa die Importumsatzsteuer oder Zertifizierungsvorschriften bei der Einfuhr.

Der französische Präsident Emmanuel Macron will noch im Laufe des Tages mit Wirtschaftsvertretern über die möglichen Auswirkungen der US-Zölle beraten. Das kündigte Regierungssprecherin Sophie Primas an. Frankreich werde gemeinsam mit Europa antworten, betonte sie. Die EU müsse stark und geeint auftreten, um der US-Zollpolitik entgegenzutreten.

Die Zollpläne der USA könnten Deutschland einer Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) zufolge teuer zu stehen kommen. Der Schaden drohe sich in der vierjährigen Amtszeit Trumps auf rund 200 Milliarden Euro zu summieren. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt läge dann im Jahr 2028 um etwa anderthalb Prozent niedriger als ohne Zölle.

Für die Europäische Union könnte sich der Schaden auf etwa 750 Milliarden Euro summieren, heißt es in der Studie weiter. "Für Deutschland ist der Zoll von 20 Prozent eine ökonomische Katastrophe",warnen die Autoren der Studie, Jürgen Matthes und Samina Sultan. Sie raten der EU-Kommission dazu, besonnen und aus einer Position der Stärke heraus zu reagieren. "Bislang ging es darum, Trump mit Angeboten etwa bei Flüssiggas oder Rüstungsgütern zu locken", so das IW. "Jetzt ist die Zeit gekommen, dass die Europäische Kommission ihre Waffen zeigt und ebenfalls eine Drohkulisse aufbaut."

Volkswagen will in seinen US-Autohäusern einem Bericht zufolge die neuen Autozölle auf den Preisschildern ausweisen. Bei Fahrzeugen, die von dem seit heute geltenden 25-Prozent-Zoll betroffen sind, solle am Fahrzeug auf eine "Importgebühr" hingewiesen werden, berichtet die Zeitung Wall Street Journal unter Berufung auf eine interne Mitteilung an die Händler. Zur Höhe des Aufschlags und ab wann er gelten soll, machte VW noch keine Angaben.

Dem Bericht zufolge hat VW zudem die Auslieferung von Fahrzeugen aus dem mexikanischen Werk Puebla, die per Bahn in die USA gehen, vorübergehend gestoppt. Autos, die per Schiff aus Europa kommen, würden vorerst in den Häfen zurückgehalten, bis sich die Zollsituation stabilisiert habe. Fahrzeuge, die bereits vor Inkrafttreten der Zölle in die USA importiert wurden, sind nicht von dem Aufschlag betroffen. 2024 verkaufte die Kernmarke Volkswagen knapp 380.000 Neuwagen in den USA.

03.04.2025 • 11:25 Uhr

Habeck für Gegendruck auf Trump

US-Präsident Donald Trump muss Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck zufolge nach seinen Zöllen gegen weite Teile der Welt einen Gegendruck spüren. Dann werde er sich korrigieren. "Dieser Druck muss jetzt entfaltet werden", sagte der Grünen-Politiker. Die EU müsse dabei aber darauf achten, dass sie nicht Produkte teurer mache, bei denen Europa auf Importe angewiesen sei. Zudem müsse Europa jetzt strategische Investitionen tätigen, um unabhängiger zu werden. Als Beispiele nennt er eine eigene Cloud-Infrastruktur sowie KI- und Raumfahrt-Kapazitäten.

Habeck betonte die große Dominanz amerikanischer Technologiekonzerne. Auf die Frage nach einem Vorgehen der EU gegen diese Firmen sagte er, die EU-Kommission werde sich alle Optionen anschauen. Sie sei entscheidungsbereit, nehme sich aber zwei Wochen Zeit für Gespräche mit den USA. Es müsse immer auch das Ziel sein, das Feuer zu löschen. Zuvor hatte Habeck bereits vor einer weltweiten Spirale der Rezession gewarnt.

Nach der Verkündung der Strafzölle durch US-Präsident Donald Trump ruft die EU-Chefdiplomatin Kaja Kallas auf, bei der Beschaffung von Rüstungsgütern weniger stark auf die USA zu setzen. "Natürlich ist die Verteidigungszusammenarbeit, die wir mit den Amerikanern haben, auch sehr wichtig", sagte die EU-Außenbeauftragte am Rande eines informellen Treffens der EU-Verteidigungsminister in Warschau.

Aber es werde geschaut, was mehr für die europäische Verteidigungsindustrie gemacht werden könne. "Wir kaufen im Moment viel von den Amerikanern, aber wir müssen unser Portfolio diversifizieren, damit wir in der Lage sind, die Munition und die Dinge, die wir hier brauchen, hier zu produzieren."

AfD-Chefin Alice Weidel sieht die von US-Präsident Donald Trump angekündigten Zölle kritisch, hält sich mit weiteren Einwänden aber zurück. "Zölle sind grundsätzlich Gift für den freien Handel", sagte sie auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa. "Aber letztendlich geht es nicht darum, ob die Zölle nachvollziehbar oder gerechtfertigt sind, es geht darum, sie möglichst zu verhindern", sagte sie zur Frage, ob sie den Schritt mit Blick auf Trumps "America-First"-Politik, die sie in der Vergangenheit positiv bewertet hatte, für gerechtfertigt und nachvollziehbar halte.

Mit Blick auf das angekündigte Zollpaket sprach sie sich dafür aus, den USA in Verhandlungen aufzuzeigen, dass es für beide Seiten besser sei, sich zu einigen.

Frankreichs Premierminister François Bayrou hat die von US-Präsident Donald Trump angekündigten Zölle als "Katastrophe für die Weltwirtschaft" bezeichnet. "Es bedeutet immense Schwierigkeiten für Europa", sagte Bayrou in Paris. "Ich glaube, es ist auch eine Katastrophe für die USA und für deren Bürger", fügte er hinzu. Allein die französischen Wein- und Spirituosenhersteller rechnen mit einem Exporteinbruch in Höhe von 800 Millionen Euro.

 

Der deutsche Einzelhandel warnt vor Preiserhöhungen als Folge der neuen Importzölle der USA. "Viele Handelsunternehmen werden Zollerhöhungen mindestens mittelfristig auch an die Endverbraucher in den Verkaufspreisen weitergeben müssen", sagte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland (HDE), Stefan Genth, der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Margen im Einzelhandel seien meist niedrig und könnten nicht einfach "abgepuffert" werden. Alternativ dürften sich einige Handelsunternehmen nach neuen Lieferanten in anderen Ländern umsehen. "Doch auch dieser Prozess und der Aufbau neuer Lieferketten kostet Zeit und Geld", sagte Genth. Die USA hätten etwa bei Cranberries (Moosbeeren) und Schalenfrüchten eine starke Stellung.

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat die von US-Präsident Donald Trump weltweit verhängten Zölle als "grundfalsch" und "Anschlag" auf die globale Handelsordnung kritisiert. "Es wird nur Verlierer geben", sagt der Kanzler bei einer Pressekonferenz anlässlich des Besuchs des jordanischen Königs Abdullah II. in Berlin. "Das ist ein Anschlag auf eine Handelsordnung, die Wohlstand überall auf dem Globus geschaffen hat.

Die EU stehe für Gespräche mit der US-Regierung zur Verfügung, "um einen Handelskrieg abzuwenden". Die EU-Staaten setzten dabei auf Kooperation, nicht auf Konfrontation und würden zugleich ihre Interessen verteidigen. "Europa wird entschlossen, stark und angemessen auf die Entscheidung der USA reagieren, sagte der Kanzler.

Christoph Mestmacher, ARD Berlin, mit Reaktionen aus Deutschland auf die US-Zölle

tagesschau24, 03.04.2025 14:00 Uhr

Die deutsche Süßwarenindustrie kritisiert die angekündigten US-Zölle von rund 20 Prozent scharf. "Sie treffen die falschen Adressaten - nämlich eine Branche, die wichtige Rohstoffe wie Mandeln, Pistazien, Walnüsse, Cranberries und Erdnüsse in großen Mengen aus den Vereinigten Staaten bezieht", erklärt Hauptgeschäftsführer Carsten Bernoth vom Branchenverband BDSI.

Bei Mandeln betrage der Anteil der USA bei den Importen in die Europäische Union 92 Prozent. "Mit den Zollerhöhungen schaden die USA nicht nur europäischen Herstellern, sondern auch den US-Partnern unserer Branche und ihrer eigenen Landwirtschaft."

03.04.2025 • 10:27 Uhr

Südkorea will Autobranche stützen

Südkorea will nach den von den USA verhängten Einfuhrzöllen seine Autoindustrie stützen. Die Regierung plane, bis kommende Woche Notfallmaßnahmen zur Unterstützung der Automobilindustrie anzukündigen, berichtet die Nachrichtenagentur Yonhap unter Berufung auf den amtierenden Präsidenten Han Duck Soo. Dem Bericht zufolge hat zudem der Handelsminister vor, so bald wie möglich zu Verhandlungen in die USA zu reisen.

Israel will sich gegen die von den USA verkündeten Zölle wappnen. Finanzminister Bezalel Smotrich kündigt an, Ministeriumsvertreter einzuberufen, um Maßnahmen zum Schutz der israelischen Wirtschaft nach der Entscheidung von Präsident Donald Trump zu erarbeiten. Trump hatte gestern Einfuhrgebühren für israelische Produkte in Höhe von 17 Prozent verhängt.

Der irische Vizeregierungschef Simon Harris mahnt im Zollstreit mit US-Präsident Donald Trump zu "Reife". Es sei "absolut klar", dass Trump bei der Verkündung der Strafzölle, die insbesondere auch die EU-Länder treffen, "diesen großen Moment wollte. Er hat ihn bekommen: große Schaubilder im Rosengarten, das ist erledigt." Was jetzt gebracht werde, sei "die Reife, sich tatsächlich an einen Tisch zu setzen".

Die USA sind einer der wichtigsten Handelspartner Irlands, vor allem auch in der Pharmabranche, die zunächst von den 20-Prozent-Zöllen ausgenommen ist. Wenn er nach einem Hoffnungsschimmer suche, dann sei "es die Bereitschaft, die er signalisiert hat, mit anderen Ländern zu sprechen", sagte Harris. "Jetzt müssen wir ihn beim Wort nehmen." Irland werde aber nicht individuell verhandeln, die Stärke liege darin, EU-Mitglied zu sein, sagte Harris.

Die Zollankündigungen von US-Präsident Donald Trump haben die Aktienkurse kräftig ins Minus gedrückt. Der Deutsche Aktienindex (DAX) rutschte zum Auftakt auf den tiefsten Stand seit Anfang Februar. Zuletzt verlor er 2,3 Prozent auf und fiel auf 21.873 Punkte. Der MDAX der mittelgroßen Unternehmen sank um 2,44 Prozent auf 26.824 Punkte. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 verlor ebenfalls mehr als zwei Prozent.

Stephen Dover, Marktstratege bei der Investmentgesellschaft Franklin Templeton, sprach gegenüber der Nachrichtenagentur dpa vom Ende der Freihandelsära. Die Zölle von Trump seien insgesamt viel höher als erwartet. Gefragt waren in diesem Umfeld als sichere Häfen geltender Anlagen wir Gold und Staatsanleihen.

03.04.2025 • 10:07 Uhr

Spanien dringt auf Gegenmaßnahmen

Spanien drängt auf Gegenmaßnahmen auf die von US-Präsident Donald Trump verkündeten Einfuhrzölle. Die neuen Zölle seien "unfair und ungerechtfertigt", sagte der spanische Wirtschaftsminister Carlos Cuerpo in einem Interview mit dem Radiosender RNE. Seine Regierung sei bereit, Maßnahmen zu ergreifen, um die Unternehmen und Verbraucher des Landes vor den Auswirkungen zu schützen.

Die Europäische Union sei zwar bestrebt, zu verhandeln, um einen Handelskrieg zu vermeiden. Sie müsse aber Vergeltungsmaßnahmen ergreifen, wenn kein Verhandlungsspielraum bestehe, fordert Cuerpo.

Die Ölpreise haben mit einem deutlichen Rückgang auf das Zollpaket der US-Regierung und damit verbundene Konjunktursorgen reagiert. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Mai kostete 73,11 US-Dollar. Das waren 1,84 Dollar weniger als am Vortag. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI fiel um 1,87 Dollar auf 69,84 Dollar.

Am Ölmarkt sorgen sich Anleger um die weitere Entwicklung der Weltwirtschaft, die jetzt an Schwung verlieren könnte - mit entsprechenden Auswirkungen auf die Ölnachfrage. Nach der Ankündigung der US-Zölle ist der Preis für Brent-Öl aus der Nordsee zeitweise bis auf 72,52 Dollar gefallen.

03.04.2025 • 09:13 Uhr

Ifo Institut übt scharfe Kritik

Das Münchner ifo Institut für Wirtschaftsforschung hat scharfe Kritik an den US-Zöllen geübt. "Es ist ein bitterer Tag für die Weltwirtschaft", sagt Handelsexpertin Lisandra Flach. "Das, was wir gesehen haben, hat nichts mit Reziprozität zu tun. Die Zolldifferenz zwischen den USA und der EU beträgt durchschnittlich nur 0,5 Prozentpunkte - im Vergleich zu der angekündigten Zollerhöhung von 20 Prozent."

Die geplante Zollerhöhung markiere "einen Wendepunkt für die Weltwirtschaft und gefährdet damit fast 80 Jahre des Multilateralismus", sagt Flach. Für die deutsche Wirtschaft erwartet sie als Folge "zunächst einen dauerhaften Rückgang des BIP um 0,3 Prozent", wobei einige Schlüsselbranchen wie Pharma, Auto und Maschinenbau stärker betroffen seien.

Insgesamt leide der deutsche Handel dreifach: "Erstens, weil Deutschland weniger in die USA exportiert. Zweitens, weil Deutschland aufgrund der geringeren Wettbewerbsfähigkeit Chinas weniger nach China exportiert. Und drittens durch einen Anstieg im Wettbewerb in Deutschland, wenn beispielsweise China nach neuen Märkten sucht, um die zuvor in die USA exportierten Produkte zu verkaufen."

Die von US-Präsident Donald Trump angekündigten Zölle gefährden aus Sicht von Bundesbank-Präsident Joachim Nagel die globale ökonomische Stabilität. "Die Entscheidungen zu den Zöllen bringen die Weltwirtschaft (...) auf den falschen Kurs", sagt Nagel. "Falsch, weil im Ergebnis der Wohlstand aller angegriffen wird. Das globale Wirtschaftswachstum wird zurückgehen. Die Preise werden steigen. Insgesamt wird der Grad der Verunsicherung der Wirtschaftsakteure zunehmen."

Angesichts der aktuellen Herausforderungen brauche es starke Allianzen und weniger Handelsbarrieren, sagte Nagel: "Ich appelliere an die US-Administration, die Tür für Gespräche im gemeinsamen Interesse offen zu halten. Deutschland und Europa sind Freunde der USA. In diesem Geiste können wir gemeinsam eine starke Zukunft gestalten."

Nach der Ankündigung des umfassenden US-Zollpakets wirbt der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) für ein abgestimmtes Vorgehen mit anderen Ländern. "Die EU muss jetzt ihre Allianzen mit anderen großen Handelspartnern stärken und sollte ihre Reaktion mit ihnen abstimmen", sagte Wolfgang Niedermark, Mitglied der BDI-Hauptgeschäftsführung. "Eine koordinierte Reaktion ist auch erforderlich, um Umleitungseffekten im internationalen Handel zu begegnen."

Niedermark sagte, die angekündigten Zölle seien "ein beispielloser Angriff auf das internationale Welthandelssystem, freien Handel und globale Lieferketten". Die Begründung für diese protektionistische Eskalation sei nicht nachvollziehbar, sie bedrohe exportorientierte Unternehmen und gefährde "Wohlstand, Stabilität, Arbeitsplätze, Innovationen und Investitionen weltweit".

Die EU sei nur geschlossen handlungsfähig, betonte Niedermark. "Die Strategie der Kommission, in Kenntnis der europäischen Stärken weiterhin verhandlungsbereit zu bleiben und auf mögliche Angebote flexibel zu reagieren, unterstützen wir."

Die deutschen Maschinenbauer warnen vor großen wirtschaftlichen Schäden wegen der globalen Zolloffensive der USA. "Die von US-Präsident Donald Trump angekündigten pauschalen Strafzölle von 20 Prozent auf alle Produkte aus der EU richten auf beiden Seiten des Atlantiks Schaden an", sagte Bertram Kawlath, Präsident des Branchenverbands VDMA. "Durch Strafzölle werden bilaterale Handelsprobleme nicht gelöst, sondern sie führen zu einer Spirale der Abschottung." Zölle zwischen der EU und den USA sollten nicht aufgebaut, sondern abgeschafft werden, mahnte er. "Denn sie schaden Produzenten und Konsumenten in beiden Regionen."

Rund 60 Prozent der VDMA-Mitglieder hätten in einer Umfrage bestätigt, dass sie sehr stark oder stark von den US-Strafzöllen betroffen sind, sagte Kawlath. Die genauen Folgen für die Branchen seien aber derzeit nicht abschätzbar.

2024 exportierte die Branche Maschinen und Anlagen im Wert von 27,4 Milliarden Euro in die USA. Sie waren damit größtes Bestimmungsland deutscher Maschinenexporte mit einem Anteil von 13,7 Prozent, gefolgt von China, so der VDMA. Fasse man aber die EU-Länder zusammen, seien sie mit einem Anteil von 43 Prozent deutlich wichtiger als die USA.

Die Schweiz ist im Vergleich mit ihren Handelspartnern besonders stark von geplanten neuen US-Zöllen betroffen: 31 Prozent kündigte US-Präsident Donald Trump an. Anders als die EU-Kommission reagierte die Regierung kühl: Der Bundesrat nehme die Zollentscheidung zur Kenntnis, schrieb Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter auf der Plattform X. "Er wird rasch das weitere Vorgehen festlegen." Im Vordergrund stünden die langfristigen wirtschaftlichen Interessen des Landes. "Treue zum internationalen Recht und Freihandel bleiben zentrale Werte."

Der britische Wirtschaftsminister Jonathan Reynolds nannte die von US-Präsident Donald Trump angekündigten Einfuhrzölle "eine Bedrohung" für sein Land. Reynolds sagte gegenüber dem Sender Times Radio: "Alles, was das globale Handelssystem stört, ist eine Bedrohung für Großbritannien." US-Importe aus Großbritannien und Nordirland sollen zukünftig mit einem Zollsatz von zehn Prozent belegt werden.

Die französische Regierung kündigt in Zusammenarbeit mit der Europäischen Union Gegenmaßnahmen in zwei Wellen für die von den USA verhängten Zölle an. Die erste Antwort werde Mitte April erfolgen und sich auf die von US-Präsident Donald Trump eingeführten Zölle auf Aluminium und Stahl beziehen, sagte Regierungssprecherin Sophie Primas gegenüber dem Sender RTL Radio.

Die zweite Antwort wahrscheinlich Ende April werde eine breitere Palette von Produkten und Dienstleistungen betreffen. "Wir sind bereit in diesem Handelskrieg."

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) rechnet mit immensen Auswirkungen der von US-Präsident Donald Trump angekündigten Zölle. Die Maßnahmen "markieren einen fundamentalen handelspolitischen Einschnitt", sagte VDA-Präsidentin Hildegard Müller. "Die angekündigten Maßnahmen sind zudem eine massive Belastung und Herausforderung sowohl für die Unternehmen als auch die globalen Lieferketten der Automobilindustrie."

Die Folgen der 25-Prozent-Zölle, die ab heute auf Pkw gelten, seien noch schwer einzuschätzen, so Müller weiter. "Klar ist allerdings schon jetzt, dass diese Entwicklung weltweit negative Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum haben wird. Das wird auch Arbeitsplätze betreffen." Die EU sei jetzt gefordert, geschlossen "und mit entsprechender Stärke" aufzutreten, müsse aber zugleich weiter Verhandlungsbreitschaft zeigen, forderte Müller.

Die USA sind ihr wichtigster Exportmarkt für die deutsche Autoindustrie. Laut VDA wurden 2024 fast 450.000 Fahrzeuge aus deutsche Produktion in die USA exportiert.

03.04.2025 • 08:34 Uhr

Bitcoin verliert an Wert

Der Bitcoin hat mit Verlusten auf das US-Zollpaket reagiert. Allerdings konnte die älteste und bekannteste Kryptowährung der Welt die hohen Abschläge direkt nach der Ankündigung der weitreichenden Zölle durch US-Präsident Donald Trump am Vorabend zuletzt wieder reduzieren. Ein Bitcoin kostete am Morgen auf der Handelsplattform Bitstamp 83.550 US-Dollar und damit rund vier Prozent weniger als vor Trumps Pressekonferenz um 22 Uhr. In der Nacht war der Kurs bis auf gut 82.000 Dollar abgesackt.

Die neuen US-Sonderzölle werden nach Einschätzung des geschäftsführenden Bundeswirtschaftsministers Robert Habeck zum Bumerang für die Vereinigten Staaten. Für die Verbraucher in den USA seien die weitreichenden Maßnahmen nicht der "Tag der Befreiung", wie von US-Präsident Donald Trump bezeichnet, sondern der "Tag der Inflation", sagte der Grünen-Politiker. "Die US-Zoll-Manie kann eine Spirale in Gang setzen, die auch Länder in die Rezession reißen kann und weltweit massiv schadet."

Man habe immer auf Verhandlungen gedrängt, nicht auf Konfrontation, ergänzte Habeck. "Es ist deshalb gut, dass die Europäische Kommission weiter auf eine Verhandlungslösung mit den USA zielt. Dazu bleibt noch etwas Zeit." Die EU werde eine ausgewogene, klare und entschlossene Antwort geben.

Der Euro hat nach der Zoll-Ankündigung von US-Präsident Donald Trump weiter zugelegt. Der Kurs für die Gemeinschaftswährung stieg in der vergangenen Nacht bis auf knapp 1,0925 US-Dollar. Zuletzt gab der Euro einen Teil der Gewinne wieder ab, kostete aber mit 1,0907 US-Dollar immer noch mehr als vor Trumps Pressekonferenz. Kurz davor hatte der Euro 1,0850 Dollar gekostet.

Die US-Zölle in Höhe von 26 Prozent werden Indiens 32 Milliarden US-Dollar schwere Edelstein- und Schmuckindustrie belasten und zu einem starken Exportrückgang führen. "Der Zoll ist höher als erwartet", sagte Colin Shah, Geschäftsführer von Kama Jewelry, einem der führenden Diamantschmuckhersteller Indiens, gegenüber Reuters. Das werde den Export beeinträchtigen. Auf die USA entfallen fast zehn Milliarden US-Dollar oder 30,4 Prozent von Indiens jährlichen Edelstein- und Schmuckexporten.

03.04.2025 • 08:09 Uhr

Goldpreis steigt auf Rekordhoch

Die US-Zollpolitik hat den Goldpreis in der Nacht erneut auf ein Rekordhoch getrieben. US-Präsident Donald Trump hatte zuvor sein Zollpaket verkündet. In der vergangenen Nacht ist die Notierung für eine Feinunze (etwa 31,1 Gramm) an der Börse in London auf 3.167,84 US-Dollar gestiegen, zuletzt notierte der Kurs etwas darunter.

Gold, dessen Handel nicht von Zöllen betroffen ist, hat sich damit in diesem Jahr bereits um ein Fünftel verteuert, nachdem der Preis für das Edelmetall in den drei Jahren davor bereits um fast die Hälfte gestiegen war. Neben der Unsicherheit infolge von Kriegen und Konflikten ist einer der Kurstreiber auch die US-Zollpolitik.

Investoren setzen in unruhigen Zeiten unter anderem auf Gold. Die außerordentliche hohe Nachfrage, die zu einer Wertschätzung von Gold bei Investoren weit über einem sonst normalen Niveau geführt hat, werde weiter Bestand haben, meint Deutsche-Bank-Experte Michael Hsueh gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Zusätzliche Nachfrage sei etwa von Zentralbanken und auch von chinesischen Versicherungen zu erwarten.

03.04.2025 • 07:50 Uhr

Norwegen will mit USA verhandeln

Norwegen wird laut Ministerpräsident Jonas Gahr Store versuchen, mit den Vereinigten Staaten über die von US-Präsident Donald Trump verhängten Zölle zu verhandeln, sagte Store dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk NRK. US-Importe aus Norwegen sollen zukünftig mit einem Zollsatz von 15 Prozent belegt werden.

Taiwans Regierung hält die von den USA erhobenen Zölle für unangemessen und will mit der US-Regierung darüber sprechen. Taiwanische Produkte werden mit einem Zoll von 32 Prozent belegt, ausgenommen sind Halbleiter. Die taiwanische Regierung erklärt, sie bedauere die "unangemessenen" US-Zölle, werde sich um eine Klärung bemühen und die Gespräche mit Washington fortsetzen, um sicherzustellen, dass die Interessen Taiwans geschützt werden.

Außenhandelspräsident Dirk Jandura rät von Boykottaufrufen gegen amerikanische Waren als Reaktion auf die von US-Präsident Donald Trump angekündigten hohen Importzölle ab. "Als Händler halte ich von grundsätzlichem Boykott wenig", sagte der Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) der Nachrichtenagentur Reuters. Er glaube nach wie vor an die vielen Vorteile und Errungenschaften des freien internationalen Handels.

"Bei diesen Boykottaufrufen, die sich auch in den sozialen Medien so schnell verbreiten, muss man zudem vorsichtig sein", betonte Jandura. "Viele der vermeintlich amerikanischen Produkte werden zum Teil oder ganz hier in Deutschland produziert. Da trifft man dann letztendlich deutsche Unternehmer und Arbeitnehmer."

Die Europäische Union sollte nach den Worten von EU-Ratspräsident Antonio Costa nach den neuen US-Zöllen Freihandelsabkommen mit anderen Ländern abschließen. "Wir werden mit allen unseren Partnern zusammenarbeiten und unser Handelsnetz weiter stärken und ausbauen. Jetzt ist es an der Zeit, die Abkommen mit Mercosur und Mexiko zu ratifizieren und die Verhandlungen mit Indien und anderen wichtigen Partnern entschlossen voranzutreiben", schrieb Costa in einem Beitrag auf der Plattform X.

Die von US-Präsident Donald Trump verkündeten Strafzölle treffen eine Liste von 185 Handelspartnern - Russland fehlt darauf, im Gegensatz etwa zur Ukraine. Zur Erklärung führte Trumps Sprecherin Karoline Leavitt der US-Nachrichtenseite Axios gegenüber an, dass Russland nicht berücksichtigt wurde, weil US-Sanktionen bereits "jeden bedeutenden Handel ausschließen".

Der Handel zwischen Russland und den USA schrumpfte nach Daten des United States Census Bureaus im Vergleich zu der Zeit vor dem Angriffskrieg auf die Ukraine tatsächlich stark zusammen - von rund 36 Milliarden US-Dollar an Ein- und Ausfuhren von Waren im Jahr 2021 auf rund 3,5 Milliarden Dollar im Jahr 2024. Neben den bestehenden US-Sanktionen gegen Russland drohte Trump vor Kurzem auch damit, die Käufer russischen Öls mit Strafzöllen zu belegen.

Der Schweizer Pharmakonzern Novartis will die neue US-Zollpolitik und ihre möglichen Auswirkungen bewerten. "Wir setzen uns für eine konstruktive Zusammenarbeit mit der Trump-Administration und dem US-Kongress ein, um sicherzustellen, dass die Entwicklung der nächsten Generation von Medikamenten und ein angemessener Zugang für Patienten gefördert werden", erklärt das Unternehmen.

US-Importe aus der Schweiz sollen laut US-Präsident Donald Trump zukünftig mit einem Zollsatz von 31 Prozent belegt werden. Der Schweizer Wirtschaftsdachverband bezeichnet die neuen US-Zölle als "schädlich und unbegründet​". "Für die Schweizer Exportwirtschaft bedeutet die heutige handelspolitische Eskalation eine ernsthafte Belastung", erklärt der Verband Economiesuisse.

Der französische Präsident Emmanuel Macron hat Vertreter sämtlicher Branchen, die von den US-Zöllen betroffen sind, in den Élysée-Palast eingeladen. Das Treffen soll im Laufe des Tages stattfinden, wie das französische Präsidialamt mitteilt.

China hat den USA nach der Verkündung weiterer Zölle durch Präsident Donald Trump mit Gegenmaßnahmen gedroht. Die Volksrepublik habe die Ankündigung wechselseitiger Zölle zur Kenntnis genommen und lehne diese entschieden ab, teilte das Handelsministerium in Peking mit. China werde entschlossen Gegenmaßnahmen ergreifen, um seine Rechte und Interessen zu schützen.

Bereits vor der Ankündigung hatten die USA Waren aus China, der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt, mit 20 Prozent Zöllen belegt, worauf Peking mit eigenen Maßnahmen reagierte. Nun treffen die Volksrepublik zusätzlich Aufschläge von 34 Prozent, was die Zollbelastung für viele Produkte aus Fernost in Summe auf mehr als 50 Prozent steigen lässt.

Die wechselseitigen Zölle, die auf "subjektiven und einseitigen Einschätzungen der USA" beruhten, stünden nicht im Einklang mit den internationalen Handelsregeln, kritisierte das chinesische Handelsministerium. "Rechte und Interessen der betroffenen Parteien" würden untergraben, es handele sich um eine "typisch einseitige Art der Schikane". Die Behörde forderte die US-Regierung auf, ihre Zölle unverzüglich aufzuheben und Differenzen im Dialog zu lösen.

Carolin Voigt, ARD Shanghai, tagesschau, 03.04.2025 07:59 Uhr

Die von US-Präsident Donald Trump angekündigten pauschalen Zölle auf Autoimporte in Höhe von 25 Prozent sind heute in Kraft getreten. Die Aufschläge auf im Ausland hergestellte Autos und leichte Nutzfahrzeuge gelten seit 12.01 Uhr (Ortszeit, 06.01 MESZ). Spätestens am 3. Mai fallen einer Mitteilung des Bundesregisters zufolge auch Autoteile darunter.

Die Autozölle werden laut der Nachrichtenagentur Reuters jährlich Fahrzeuge und Autoteile im Wert von fast 600 Milliarden Dollar betreffen. Zudem erstrecken sich die Importgebühren auch auf alle Computer. Das gehe aus einer Analyse von Zollcodes hervor, die gestern in einer Bekanntmachung des Bundesregisters veröffentlicht wurde.

03.04.2025 • 06:38 Uhr

Asiatische Börsen rutschen ab

An den asiatischen Börsen sind die Aktienkurse am Donnerstag nach US-Präsident Donald Trumps neuesten Zollankündigungen stark abgerutscht. Die Anleger flüchteten sich in Anleihen und Gold. Der Technologiesektor wurde mit neuen Zöllen von über 30 Prozent auf Produktionsstandorte in China und Taiwan überrollt, sodass sich die neuen Abgaben auf 54 Prozent auf Importe aus China summieren. "Der effektive US-Zollsatz auf alle Importe dürfte den höchsten Stand seit über einem Jahrhundert erreichen", sagte Ben Wiltshire, Welthandelsstrategist bei der Citibank.

Der japanische Aktienindex Nikkei ist im frühen Handel am Donnerstag zunächst um mehr als vier Prozent eingebrochen und fiel auf ein Achtmonatstief, nachdem Trump eine Zollbelastung von 24 Prozent auf japanische Waren angekündigt hatte. Auch die Aktien der großen japanischen Autohersteller rutschten nach den Hiobsbotschaften aus den USA tief in den Keller: Toyota sank um sechs Prozent, Nissan um 6,3 Prozent und Honda um 4,8 Prozent.