
Dow & Co. ohne Richtung Ratlose US-Anleger
US-Anleger taten sich auch heute schwer damit, die Zollpolitik der neuen Trump-Regierung einzuschätzen. Die Wall Street tendierte ohne klare Richtung, der DAX gab nach den US-Zöllen auf Autos nach.
In New York bleiben die Anleger in Anbetracht der Zollpolitik der Trump-Regierung verunsichert. Die großen Aktienindizes fanden wie schon zuletzt des Öfteren keine klare Richtung und schwankten um ihre Schlusskurse. Dabei wechselten sie immer wieder das Vorzeichen um am Ende leichter zu schließen.
Der Dow Jones, der Leitindex der Standardwerte, ging bei 42.299 Zählern aus dem Handel, ein moderates Minus von 0,37 Prozent. Der marktbreite S&P 500 verlor 0,33 Prozent und die Technologiebörse Nasdaq lag am Ende gut ein halbes Prozent im Minus.
Damit reagieren die US-Anleger weiter verhalten auf die derzeitigen Verwerfungen durch die Zollpolitik der Trump-Regierung. "Wieder einmal verdunkelt eine Zollwolke den Markt", erklärte der Analyst Patrick O'Hare von Briefing.com.
Die Wall Street zeige mit ihrer Abwärtsbewegung, "dass sie die Zölle nicht mag", sagte auch Sam Stovall vom Marktforschungsunternehmen CFRA. Allerdings sei der Rückgang moderat, woraus er schließe, dass die Investoren nicht davon ausgehen, dass die neuen Zölle "lange genug bestehen bleiben, um eine Rezession auszulösen".
Auch andere Experten zeigten sich vorsichtig optimistisch. "Wir glauben, dass Trump die Autozölle als Verhandlungsinstrument einsetzt", sagte Nicolas Lin von Aether Holdings. "Aber die Marktteilnehmer sind nervös, weil niemand wirklich weiß, was passieren wird und was am Ende dabei herauskommt."
Zudem hat zuletzt die Hoffnung auf eine Fortsetzung des KI-Booms gelitten, nachdem zuletzt chinesische Konkurrenten auf den Plan getreten waren. Verstärkt wurden diese Befürchtungen, nachdem Analysten von TD Cowen berichteten, dass Microsoft von neuen Rechenzentrumsprojekten in den USA und Europa Abstand genommen habe.
KI-Platzhirsch Nvidia gaben 2,05 Prozent nach auf 111,43 US-Dollar. Auf dem Höhepunkt der KI- und Trump-Euphorie zum Jahresanfang erreichte die Aktie bei 153,13 US-Dollar ihr Allzeithoch. Seitdem hat sie über ein Viertel ihres Wertes verloren.
Rosinenpicken gab es bei den Einzelwerten. Im Fokus standen dabei auch an der Wall Street die Aktien von US-Automobilherstellern und Zulieferern, die durch die Zollpolitik der Regierung wegen der grenzüberschreitenden Liefer- und Produktionsketten ebenfalls stark betroffen sind. Auch die Aussicht auf eine Ausnahme der Zölle von Zulieferteilen die in den USA produziert werden, half nicht wirklich, sondern trug eher zur Verwirrung bei.
General Motors (GM) importiert etwa einige Chevrolet-Modelle aus Werken in Mexiko und Kanada. Ford produziert ebenfalls einige Modelle für den US-Markt in Mexiko, wenngleich der Anteil geringer ist als bei GM. Zudem müssen die US-Hersteller "Revanche-Zölle" all der Länder fürchten, deren Unternehmen nun von den US-Autozöllen betroffen sind. GM-Aktien gaben 7,3 Prozent nach, Ford-Papiere fast vier Prozent.
Tesla-Aktien legten hingegen nach volatilem Handel leicht um 0,4 Prozent auf 273,13 Dollar zu und schlossen damit nahe Tagestief. "Tesla zählt gewissermaßen zu den Profiteuren", schrieben die Experten der Investmentbank TD Cowen. Hintergrund sei unter anderem, dass die in den USA verkauften Fahrzeuge des Unternehmens auch dort produziert werden. Ein großer Teil der verbauten Komponenten stamme ebenfalls aus den USA. Zudem tritt das Model Y im Segment mittelgroßer SUV an, in dem rund 50 Prozent aller Fahrzeuge von Zöllen betroffen sein könnten.
Andere Experten zeigten sich vorsichtig. "Tesla ist nicht immun gegen den sich anbahnenden Handelskrieg, da das Unternehmen einige Teile, darunter elektrische Komponenten und Batterien, aus China importiert", sagte etwa Susannah Streeter, Managerin beim Vermögensverwalter Hargreaves Lansdown. Auch Tesla-Chef Elon Musk warnte vor steigenden Kosten.
Die Hoffnung vieler Investoren, dass es noch irgendwie zu einer Einigung mit US-Präsident Donald Trump in Sachen Zölle kommen könnte, hat heute einen schweren Rückschlag erlitten. Trump kündigte zusätzliche Zölle auf importierte Autos in Höhe von 25 Prozent an und schickt damit die Aktien der deutschen Schlüsselindustrie auf Talfahrt.
Der Markt knüpfte damit an die Schwäche des Vortages an, als der DAX bereits 1,2 Prozent tiefer aus dem Handel gegangen war. Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank betont: "Trump heizt mit den Autozöllen einen globalen Handelskrieg an."
Der Leitindex, in dem Autoaktien reichlich vertreten sind, blieb den ganzen Tag im Minus und pendelte zwischen 22.472 und 22.740 Punkten. Das Tagestief lag im frühen Geschäft bei 22.472 Punkten fast genau 1.000 Punkte unter dem zuletzt erreichten Rekordhoch von 23.476 Zählern, das nach Bekanntwerden des neuen staatlichen Investitionspakets erreicht worden war.
Am Ende ging der DAX bei 22.678 Zählern um 0,7 Prozent leichter aus dem Handel, wobei er im Verlauf seine Verluste eingrenzte. Auch der MDAX der mittelgroßen Werte gab 0,82 Prozent nach auf 28.628 Punkte.
Dass Trump zum 3. April die schon früher angedrohten Auto-Importzölle in Kraft setzen will, sorge am deutschen Aktienmarkt für Nervosität, schrieben die Experten der Landesbank Helaba. Der Broker Index Radar betonte indes, mit den nun verkündeten Autozöllen "ist die Katze zumindest teilweise aus dem Sack". Dass die neuen Zölle für Einfuhren aus Kanada und Mexiko nur auf den dort geschaffenen Mehrwert erhoben würden, entlaste die deutschen Autobauer etwas.
Neu ist der Zollhammer von Trump allerdings nicht. Bereits im Wahlkampf hat er solche Maßnahmen angekündigt, die er auch schon in seiner ersten Amtszeit (2017-2021) verfolgt hat. Für Trump haben die Zölle nicht nur wirtschaftliche, sondern auch politische Steuerungsfunktion.
"Die große Sorge ist, dass diese Zölle nicht nur destabilisierend wirken und der Wirtschaft schaden, sondern auch signalisieren, dass die Neuordnung des Welthandels durch die Trump-Regierung nicht wie erhofft mit der für den 2. April erwarteten Ankündigung wechselseitiger Zölle enden wird", sagte Kyle Rodda, Analyst beim Broker Capital.com.
Die EU hat für den Fall eines Festhaltens der USA an den Autozollplänen bereits eine entschlossene Antwort angekündigt. Wenn notwendig, werde man robust, zügig und gut abgestimmt auf alle unfairen und kontraproduktiven Maßnahmen der USA reagieren, sagte ein Sprecher der für die Handelspolitik zuständigen Europäischen Kommission in Brüssel. Er verwies dabei auch darauf, dass in der kommenden Woche mit der Ankündigung weiterer neuer Importzölle durch Trump gerechnet wird.
Zugleich betonte der Sprecher, dass die EU weiter eine Verhandlungslösung anstrebe. Die Handels- und Wirtschaftsbeziehungen zwischen der EU und den USA seien zweifellos die wertvollsten und wichtigsten der Welt, sagte er. Man wolle diese Beziehung eigentlich ausbauen und nicht zerstören.
Wenig verwunderlich gehörten Autoaktien bei den Einzelwerten zu den größten Verlierern im DAX, aber auch Firmen mit einem signifikanten Auslandsanteil im Portfolio. Autoaktien, die zum Handelsauftakt besonders schwach tendierten, grenzten ihre Verluste im Verlauf noch etwas ein. Der europäische Sektorindex fiel gleichwohl am Vormittag um drei Prozent auf den niedrigsten Stand seit Anfang Dezember.
Auch Tagesschlusslicht Heidelberg Materials, Siemens Energy und BASF, alle mit signifikantem Auslandsgeschäft, gehörten zu den größten Verlierern. Der internationale Handel wird seit Monaten ohnehin schwieriger: 58 Prozent der im Ausland aktiven Firmen berichteten in den vergangenen zwölf Monaten von zusätzlichen Handelsbarrieren, teilte die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) heute mit.
Besonders lokale Zertifizierungsanforderungen und verstärkte Sicherheitsauflagen erschwerten die Planung und trieben die Kosten in die Höhe. Hinzu kämen Sanktionen, intransparente Gesetzgebung sowie Vorgaben, bestimmte Quoten lokal produzieren zu müssen. DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier verwies vor allem auf die USA unter Präsident Donald Trump. "Die wachsenden Handelsbarrieren und protektionistische Signale aus Washington bereiten unseren Unternehmen große Sorgen."
Für die zuletzt arg gebeutelten Zalando-Aktionäre gab es heute dafür gute Nachrichten. Die Aktie gewann über drei Prozent und stand an der DAX-Spitze. Seit Mitte Februar hatte sie stellenweise 25 Prozent an Wert verloren.
Nun gab der britische Modehändler Next Auftrieb. "Next setzt seine Glückssträhne erhöhter Gewinnziele fort", schrieb der Experte Aarin Chiekrie vom Vermögensverwalter Hargreaves Lansdown. Die ersten acht Wochen des neuen Geschäftsjahres seien erneut deutlich besser gelaufen als gedacht.
Der Dollar sackte derweil ab, im Gegenzug legte der Euro zu und übersprang in der Spitze sogar die Marke von 1,08 Dollar leicht. Dies sei darauf zurückzuführen, dass "Zölle auf Autos und Autoteile die US-Wirtschaft negativ belasten, insbesondere durch die Störung der vernetzten Lieferketten in Nordamerika", erklärte Lee Hardman von der japanischen Bank MUFG. In der Folge könnte die US-Notenbank Fed geneigt sein, die Leitzinsen zu senken, was den Dollar belasten würde.
Der Euro, der in der Nacht zunächst auf ein Drei-Wochen-Tief von 1,0731 Dollar gefallen war, notierte zuletzt im US-Handel bei 1,0798 Dollar rund 0,4 Prozent im Plus. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,0785 (Mittwoch: 1,0788) Dollar fest.
Kein Auswirkung auf den Devisenmarkt haben bisher neue Zahlen vom US-Arbeitsmarkt. Dort hat die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe ein wenig nachgegeben. In der vergangenen Woche fiel die Zahl um 1.000 auf 224.000, wie das Arbeitsministerium heute in Washington mitteilte. Volkswirte hatten im Schnitt mit einem Anstieg auf 225.000 Anträge gerechnet. Die Daten signalisieren nach wie vor einen robusten Arbeitsmarkt in der größten Volkswirtschaft der Welt, was Zinssenkungshoffnungen tendenziell dämpft.
Das in Krisenzeiten als sicherer Hafen angesehene Gold verteuerte sich heute um bis zu 1,3 Prozent auf 3059,30 Dollar je Feinunze und erreichte damit einen neuen Höchststand. "Es sieht so aus, als würden die Gold-Futures bald die 3.100-Dollar-Marke erreichen", sagt Bob Haberkorn, Stratege beim Broker RJO Futures. Hintergrund sei die Verunsicherung über die Zollpläne von US-Präsident Donald Trump.
Der Hersteller von Duftstoffen und Aromen Symrise hebt die Dividende nach einem Gewinnwachstum im vergangenen Jahr von 1,10 auf 1,20 Euro an, teilte der DAX-Konzern mit. Unter dem Strich entfiel 2024 auf die Anteilseigner ein Ergebnis von gut 478 Millionen Euro, das ist ein Plus von rund 40 Prozent. Symrise-Papiere legten gegen den Trend im DAX zu.
Ein Ausstieg bei der Commerzbank würde der italienischen Großbank UniCredit finanziell nutzen. Vorstandschef Andrea Orcel sagte heute auf der Hauptversammlung, UniCredit würde mit einem Wertzuwachs aus seinem Engagement bei dem Frankfurter Geldhaus herauskommen, wenn man sich irgendwann für einen Verkauf entscheiden würde.
UniCredit war im September bei der zweitgrößten deutschen börsennotierten Bank eingestiegen, mit Blick auf eine mögliche Übernahme. Die Italiener, denen in Deutschland bereits die HypoVereinsbank (HVB) gehört, halten direkt 9,5 Prozent der Commerzbank-Aktien, könnten aber mit Optionen und anderen Derivaten auf bis zu 28 Prozent kommen.
Orcel spürt aber den Widerstand der Commerzbank-Führung und der Bundesregierung - mit 12 Prozent der größte Aktionär des Frankfurter Instituts. Bis zu einer Entscheidung, ob es tatsächlich zu einem Zusammenschluss mit der Commerzbank kommt, werde es wohl "deutlich über das Jahr 2025 hinaus" dauern, hatte Orcel gesagt.
Die Deutsche Bank bekommt im nächsten Jahr einen neuen Finanzvorstand. Amtsinhaber James von Moltke habe angekündigt, seinen im Juni 2026 auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern, teilte die größte deutsche Bank heute in Frankfurt nach einer Aufsichtsratssitzung mit. Sein Nachfolger steht bereits fest: Raja Akram kommt zum 1. Oktober von Morgan Stanley zur Deutschen Bank, soll im Januar in den Vorstand aufrücken und im ersten Halbjahr 2026 von Moltke ablösen, der seit acht Jahren für die Finanzen des Geldhauses verantwortlich ist. Akram ist seit 2020 stellvertretender Finanzchef der US-Investmentbank Morgan Stanley, vorher hatte er für die Citigroup gearbeitet.
Der Vertrag von Vorstandschef Christian Sewing sei vorzeitig um drei Jahre verlängert worden, wie die Deutsche Bank erklärte. Er läuft nun bis April 2029. Neben von Moltke verlässt auch der für das Amerika-Geschäft und juristische Themen verantwortliche Vorstand Stefan Simon die Bank. Für Amerika ist künftig der für das Firmenkunden- und Investmentbanking-Geschäft verantwortliche Fabrizio Campelli zuständig, dessen Vertrag ebenfalls um drei Jahre bis Oktober 2028 verlängert wurde. Das Rechtsressort verantwortet künftig Vorstandschef Sewing selbst.
Die Übernahmespekulationen rund um ProSiebenSat.1 haben sich bewahrheitet. Am Abend kündigte der Großaktionär MediaForEurope (MFE) ein Übernahmeangebot für den Fernsehkonzern an. Die von der Familie des ehemaligen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi dominierte MFE will aber nur den gesetzlichen Mindestpreis bieten, der sich aus dem Durchschnittskurs der drei Monate vor dem Gebot errechnet, was an der Börse nicht gut ankommt. Die ProSieben-Aktie verlor zunächst kräftig, erholte sich aber im Verlauf wieder. MFE hält bereits 29,99 Prozent an ProSiebenSat.1.
Der Nutzfahrzeugzulieferer SAF-Holland strebt in den kommenden Jahren eine deutliche Ausweitung seiner Geschäfte an. Bis 2030 soll der Umsatz im Vergleich zu 2024 um über die Hälfte auf mehr als 3,0 Milliarden Euro zulegen, wie das SDAX-Unternehmen am Abend nach Börsenschluss in Bessenbach mitteilte.
Zukäufe sollen vom Zuwachs mindestens 500 Millionen Euro ausmachen. Die um Sondereffekte bereinigte Gewinnmarge vor Zinsen und Steuern peilt der Vorstand 2030 in einer Bandbreite von 10 bis 12 Prozent an. Für 2024 geht das Unternehmen bei konstanten Wechselkursen von einem Umsatz zwischen 1,85 bis 2 Milliarden Euro aus, die operative Marge wird zwischen 9 und 10 Prozent erwartet. Die Aktie legte nachbörslich auf der Handelsplattform Tradegate gegenüber dem Xetra-Schluss zu.
Der Internetportal-Betreiber Scout24 (ImmoScout24) will seine Aktionäre am Erfolg der vergangenen zwölf Monate teilhaben lassen und die Dividende erhöhen. Für das abgeschlossene Jahr sollen je Aktie 1,32 Euro und damit zehn Prozent mehr als noch für 2023 gezahlt werden, wie der MDAX-Konzern mitteilte. Die Ende Februar vorgelegten vorläufigen Eckdaten zum abgeschlossenen Jahr bestätigte der Vorstand.
Der Gabelstapler-Hersteller Jungheinrich blickt zuversichtlich auf das laufende Jahr und erwartet beim Auftragseingang ein Plus auf 5,5 bis 6,1 Milliarden Euro, nach 5,3 Milliarden Euro 2024. Der Umsatz dürfte zwischen 5,4 bis 6,0 Milliarden Euro liegen. Vor Zinsen und Steuern (Ebit) sollen 430 bis 500 Millionen Euro operativer Gewinn bleiben. 2024 sank der Umsatz noch auf 5,4 Milliarden Euro, das Ebit verbesserte sich auf 434 Millionen Euro.